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Vorwort von Dr. Klaus P. Horn
Die »Chance AIDS« ist eine Provokation. Moritz Boerner kehrt in einer lässigen Drehung den kollektiven Abwehrspieß unvermittelt um und läßt ihn zum Stachel werden, der die Selbstgerechten zu Betroffenen macht.
Während an jeder Ecke Plakate dazu mahnen »AIDS keine Chance« zu geben, fordert der Autor dazu auf, gerade in AIDS die Chance zu erkennen. In der Realität der Infektion und ihrer Folgen sieht er die Chance für den einzelnen Betroffenen, sich selbst und dem tieferen Kern und Ursprung seines Lebens auf die Spur zu kommen.
Anders als viele gängige Provokationen ist dieses Buch nicht destruktiv, zynisch oder anklagend, sondern macht Mut und zeigt konkret, wie betroffene Menschen diese existentielle, totale Krise AIDS annehmen können.
Wir sind gewohnt, Krisen als Gefahrenherde zu betrachten, die möglichst schnell und effektiv abgewehrt, ausgemerzt oder herausgeschnitten werden müssen. Am liebsten hätten wir Krisen ganz aus der Welt, damit wir uns
bequem zurücklehnen können in den eigenen rosaroten Traum. »Positiv denken« nennen manche diesen Vorgang der Ausblendung, in dem man die Wirklichkeit als Vorgarten seines Weltbildes anlegt. Doch das Augenschließen dient nicht
immer der Wahrheitsfindung, wie wir an dieser Krisen-Chance AIDS sehr deutlich sehen müssen.
Im Chinesischen benutzt man für den Begriff »Krise« das gleiche Wort wie für den Begriff »Chance«. Chance und Krise werden von den Weisheitslehren der Menschheit seit jeher als zwei Seiten einer Medaille gesehen, als
gegensätzliche Erscheinungsform eines umfassenden Ganzen.
Sich selbst in dieser Ganzheit und Einheit wiederzuentdecken bedeutet wirkliche Heilung - und dazu bietet uns AIDS, sagt Moritz Boerner, die Chance. Denn die Krankheit, unter der wir wirklich leiden, ob
infiziert oder nicht,ist die Trennung, die Abspaltung des »Guten« vom »Bösen«, die Verpanzerung des Ichs in der Schale seiner Privatwelt.
AIDS stellt nun diese Kruste, die uns von unserer Umgebung trennt, radikal und grundsätzlich, nämlich physisch, in Frage. AIDS zersetzt die Immunität des Einzelnen gegen das gefährliche Außen: Nun kann das »böse
Außen« in das »gute Innen« hinein.
Das selbstgerechte Ich kann ohne Schatten, den es bekämpft, nicht sein. Integriert es den Schatten, das »böse Außen«, verliert es sich selbst.
Das ist die große Angst, oder, wie Boerner sagt, die »große Chance«: Offenheit. Alle reden von Offenheit. AIDS schafft sie, ganz konkret, völlige physische Offenheit und Empfänglichkeit für die gesamte lebendige
Umgebung, auch die »bösen« Keime. AIDS begnügt sich nicht mit guten Worten, Lippenbekenntnissen, aufgewärmter Tiefkühlkost. AIDS ist radikal und kompromißlos.
An viele großstädtische Mauern ist der Spruch gesprüht, den ein jüngerer deutscher Autor geprägt hat: »Die Atombombe ist der einzige Buddha, den der Westen versteht«. Das ist überholt. AIDS ist ein zweiter Buddha, den
die Welt verstehen lernen kann, ein unberechenbarer Geselle. Sanft und unmerklich kommt er näher, bis er urplötzlich markerschütternd aufbrüllt: »Wach auf! Deine Zeit ist um! Erkenne jetzt!« Dieser Buddha macht nicht viel
Worte. Er hebt die Käseglocke einfach hoch, reißt die Fenster auf, zerbricht das Eis, das nicht schmelzen will - wie ein kosmischer Rambo führt er sich auf und ist dabei ganz still.
Noch ist für viele die Ausgrenzung möglich, noch sind ja die anderen die Infizierten, die so mancher gerne unschädlich machen würde.
Noch umgeben und schützen Immunsysteme das ängstliche in die Enge getriebene Ich. Verwoben mit der biolo-gischen Abwehr ist die emotionale Immunität der Hartherzigen, der unbarmherzigen Rechtgläubigen und
Richtigwissenden. Über allem aber schwebt das grandiose Immunsystem des menschlichen Verstandes: die Blindheit. Dieser undurchdringliche Schleier deckt alles zu, was nicht sein kann, weil es nicht sein darf.
Genau hier setzt AIDS an, reißt Zäune und Mauern ein zwischen Ich und Welt, zwischen Freund und Feind, schwarz und weiß, »denen« und »uns« und schafft eine ungeteilte gemeinsame Wirklichkeit. Berichte von Betroffenen
belegen eindrucksvoll diese neue Nähe und Einfachheit unter den »Positiven« und ihren Freunden. Es gibt keine Immunität mehr, keinen Damm gegen die Flut und damit die »große Chance« zur Freiheit, zum Leben und Sterben in
Offenheit und Weite, außerhalb der Mauern der Angst - für alle Menschen.
Diese Vision erfüllt große Teile des Buches, die Boerner, wie er sagt, in Trance »gechannelt« hat. Wie immer der Leser die Realität tieferer Schichten der Wahrnehmung selbst sehen mag - ob geteilt in Empfangenden und
Gebenden wie im christlichen Gebet oder als Einsicht wie im Zen-Buddhismus - es ändert nichts am Gehalt dieser Erfahrungen. Boerner schreibt seine Botschaften in einfacher, bildhafter Sprache, die wie Dichtung gelesen, aber
auch für praktische Übungen benutzt werden können.
Moritz Boerners Buch ist lebendig, nicht perfekt. Wer es wissenschaftlich auseinanderpflücken will, kann das sicherlich tun - ohne ihm damit wirklich gerecht zu werden. Wer sich aber inspirieren und aufrütteln läßt
von seinen Texten und direkten Appellen, kann für das eigene Leben etwas gewinnen. Und alle diejenigen, die es sowieso und besser wissen auch.
Dr. Klaus P. Horn
Dr. Klaus P. Horn ist Sozialpädagoge und Psychotherapeut und leitet bewußtseinsbildende Seminare für Manager.
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Vorwort des Autors
Viele Texte dieses Buches sind in Meditation entstanden und entstammen einer tiefen und alten Weisheit. Dies bedeutet aber auch, daß es wenig Sinn hat, sich nur intellektuell damit zu beschäftigen - wenn Du das Buch
nur mit dem Verstand liest, wirst Du nicht den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen.
Es wird Zeit, höhere »Organe« des Bewußtseins wieder einzusetzen oder neu zu entwickeln, denn der Verstand stößt längst an seine Grenzen oder hat uns in Sackgassen und auf Irrwege geführt. Natürlich wird es Leute
geben, die nicht einmal ahnen, daß es andere Welten der Erfahrung gibt, geschweige denn, daß sie bereit wären, einen Blick in diese Welten zu werfen. Man muß solche Menschen ebenso einschätzen wie diejenigen, die sich zur Zeit
Galileis weigerten, durch ein Fernrohr oder ein Mikroskop zu schauen, und für die demzufolge nichts von dem, was dort zu sehen war, existieren konnte und durfte.
Die Entdeckungen der Zukunft müssen auf dem Gebiet der inneren Schau, der Intuition, der Seele gemacht werden - die nur materielle Entwicklung hat uns nicht nur eher unzufriedener und unglücklicher gemacht, sondern
stößt uns anscheinend auf alle möglichen Arten in alle möglichen schädlichen Richtungen.
AIDS ist die Chance, uns wieder mehr auf unsere wahre Natur zu besinnen, auf unsere Bestimmung und auf die Dinge, die uns wirklich glücklicher machen.
Moritz Boerner
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Wozu dieses Buch?
Wenn eine oder mehrere der folgenden Fragen oder Feststellungen von Dir sein könnte, dann ist dieses Buch für Dich geschrieben.
Dieses Buch stellt den Versuch dar, Dich zum kreativen und positiven Umgang mit einer Realität Deines Lebens anzuregen, denn AIDS ist durch das übliche Lamentieren der Medien und Politiker, durch das Wehklagen der
Betroffenen, durch Totschweigen oder stilles Hoffen bestimmt nicht beeinflußbar.
Wunder kann ich nicht versprechen, ich halte sie aber für möglich. Laß uns zusammen alle Methoden ausprobieren, die ich entdeckt oder wiederentdeckt und mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Du hast schließlich
nichts zu verlieren.
3. Ich arbeite mit HIV-positiven. Wie kann ich ihnen noch besser helfen? Wie schaffe ich es, mich nicht so sehr zu identifizieren?
Ich denke, ich kann in diesem Buch zeigen, daß AIDS wirklich eine Chance ist, nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft. Ganz gleich, ob man glaubt, daß AIDS eine Botschaft hat oder nicht, daß es
nur ein Symptom unserer Zeit ist oder nicht; man kann AIDS benutzen, so wie man jede Herausforderung benutzen kann, um zu wachsen, zu lernen, sich weiterzuentwickeln. Ich halte dies für einen längst fälligen positiven Ansatz.
Aber noch wichtiger scheint mir: Dieses Buch enthält etliche Anregungen, die man sofort in die Tat umsetzen kann; ichhalte viel von praktischer Arbeit, vom Experiment, vom mutigen Herangehen an innovative Methoden.
AIDS wurde bisher nur medizinisch, politisch, sexualhygienisch oder als privates Problem gesehen. Die meisten Menschen und Institutionen nehmen AIDS nur widerwillig zur Kenntnis oder versuchen, es zu verdrängen. Dies
wird in zunehmendem Maße nicht mehr möglich sein. Die sich damit beschäftigen, haben bisher lediglich reagiert, konstatiert, es sensationslüstern ausgeschlachtet, es benutzt, um sich politisch zu profilieren, geklagt oder
möglichst die Augen verschlossen. Es wird Zeit, eine offenere, positivere, akzeptierendere, offensivere Haltung einzunehmen, denn AIDS wird unser politisches, soziales, privates, sexuelles und gesellschaftliches Leben mehr und
mehr beeinflussen.
5. Ich interessiere mich für Bewußtseinserweiterung, kann ich durch dieses Buch neue Erkenntnisse gewinnen?
Du gehörst zu jenen, für die dieses Buch hauptsächlich auch geschrieben wurde - denn wer HIV-positiv ist, kann oder muß die Botschaft von AIDS auch ohne Bücher verstehen bzw. hat schon verstanden. Aber auch Du kannst
intensiver über die Wahrheiten des Lebens nachdenken, Du kannst lernen, Dein Leben mehr zu genießen, Du kannst Dich öfter mit den wahren Werten in Deinem Leben beschäftigen, Du kannst mehr und mehr im Hier und Jetzt leben und
Dir öfter und öfter erlauben, Dir die Wünsche zu erfüllen, deren Verwirklichung Du bisher aufgeschoben hast. Oder willst Du die Botschaft AIDS erst zur Kenntnis nehmen, wenn Dein Arzt Dir diese oder eine ähnliche Botschaft
mitteilt? Denn - womit jeder HIV-positive nun leben muß, das wird früher oder später auch Deine Wahrheit sein.
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AIDS ist keine Krankheit!
Wir werfen alle möglichen Erscheinungen des Lebens, die uns nicht passen, in einen großen Topf und nennen sie »Krankheiten«: Schnupfen, Krebs, grauer Star, Durchfall, Infektionen, sogenannte geistige Krankheiten,
Übergewicht. Manche sagen gar scherzhaft, das Leben sei eine Krankheit, und dies ist in einer gewissen Weise nicht ganz falsch. Wir bezeichnen als Krankheit, was außerhalb der Norm ist, und das Leben als Naturerscheinung
befindet sich außerhalb der Norm der physischen Welt. Man könnte sagen: Das Leben ist ein Ausnahmezustand der Materie. Im Universum im allgemeinen und auf der Erde im besonderen ist das Leben ein seltener und äußerst
unwahrscheinlicher Zustand des Physischen. Der lebendige Zustand befindet sich nicht mit dem toten Zustand der Materie im Gleichgewicht - es ist ein ewiger Kampf gegen Temperatur, Druck, Stoß, Schwerkraft, Wind, Wasser, Feuer
und Gift, gegen chemische und physikalische Gesetze, gegen Naturerscheinungen, Dürre, wilde Tiere und Hunger.
Es ist uns in der westlichen Welt in den letzten Jahrzehnten gelungen, einem Großteil der Bevölkerung das trügerische Gefühl zu vermitteln, als sei ein Gleichgewicht vorhanden, und die geringste Störung wird
»Krankheit« genannt. Aber es läßt sich nicht lange leugnen, daß die tote Materie früher oder später die Atome und Moleküle, aus denen wir bestehen, wieder zurückfordern wird, erst langsam und dann immer schneller. Dies wissen
wir, aber wir wollen es nicht wahrhaben.
Der überwiegende Teil der Weltbevölkerung lebt mit diesen Wahrheiten, ebenso wie es die gesamte Menschheit über Jahrtausende tat - erst in den letzten Jahrzehnten haben die überzivilisierten Völker begonnen, den Tod
aus ihrem Bewußtsein zu verdrängen; vielleicht sind das Anzeichen beginnender Dekadenz; ein Volk, das die grundlegendenRealitäten des Lebens nicht mehr zur Kenntnis nehmen will, kann nicht lange überleben - so wie ein
Autofahrer im Straßenverkehr sehr schnell stirbt, wenn er die Regeln ignoriert oder so tut, als gäbe es keine physische Abnutzung oder Materialermüdung.
Wir wissen, daß jedes Kind, das geboren wird, unweigerlich auf die »Krankheit«, auf den Tod zuschreitet. Und das, was geschieht, soll schlecht sein? Da sind wir bei einer Grundfrage: Soll man die Welt schlecht finden,
soll man das Leben schlecht finden, weil etwas nicht unseren Vorstellungen entspricht? Ich finde, wer nicht das akzeptiert, was ist, lebt sehr ungemütlich. Er vermiest sich sein Dasein durch sinnlose Kämpfe, ohne irgendwelche
Vorteile aus seiner Haltung zu ziehen.
Es gibt allerdings einen simplen Grund, warum Menschen lieber schimpfen, hadern, alles negativ sehen und das grausame Schicksal anklagen: Es ist einfacher. Wenn man in einer schwierigen Situation einfach nur flucht
und wütend ist, so wird die Faulheit, sich mit dem Leben wirklich auseinanderzusetzen, offenbar. Man will sich nicht die Mühe machen, etwas selbst zu regeln, zu lösen, zu schaffen. Wir sind Instant-Packungen gewöhnt, minutiös
durchorganisierte »Erlebnisse«, vorgefertigte Lösungen für alles und jedes, Leben wie im Fernsehen. Wir sind es gewöhnt, daß sich alles mit Geld oder Medikamenten oder Computern regeln läßt, und wenn wir an unsere Grenzen
stoßen, möchten wir uns beim »lieben Gott« beschweren, uns einen neuen Körper wie ein neues Auto kaufen oder einfach auf ein anderes »Fernsehprogramm« umschalten.
Im »Spiegel« schreibt ein 33jähriger Publizist über das »AIDS-Geschäft« der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, (die natürlich ihre Bücher und workshops ebensowenig verschenkt wie ich auch) - seinen eigenen
»Kleinhandel« und vor allem die »AIDS-Industrie« der Presse verschweigend - und mokiert sich über die Versuche der Autorin, mit ihrem Buch »Aids - Herausforderung zur Menschlichkeit« (Kreuz-Verlag) Hoffnung zu wecken, Leiden zu
lindern, Menschen mit ihrem Schicksal auszusöhnen. Aber was erreicht er mit seiner Kritik, was hat er entgegenzusetzen? Was tut dieser Mann für Dich? Er beutet lediglich das Gruseln der Massen auf äußerst fragwürdige Weise aus
und versucht den sicherlich positiven Ansatz der Kübler-Ross im Keim zu zerstören.
In diffamierender Absicht lautet die Schlagzeile des Artikels »Fröhlich dem Sterben entgegen«. Aber warum eigentlich nicht? Wir gehen alle dem Sterben entgegen, warum also nicht fröhlich? Vielleicht ist ja der Tod
wirklich der Höhepunkt des Lebens, vielleicht ist ja die »Fülle unendlich schöner Erfahrungen«, der »einzige Glückstaumel«, von dem Frau Kübler-Ross laut »Spiegel« schreibt, nichts unmögliches, jedenfalls scheint mir die
sechzigjährige Frau, die Tausenden von Erfahrungen des herannahenden Todes beigewohnt hat, glaubwürdiger als der 33jährige, der in seinem Artikel lediglich Hohn auszugießen und sein »Angewidertsein« auszudrücken vermag. Aber
vielleicht hat er auch nur seine eigene Angst vor dem Tod verdrängt und ist deshalb so peinlich berührt?
(Zitate: »Spiegel« Nr.48/87)
Die meisten Erwachsenen haben ihre Probleme mit dem Tod, lediglich kleine Kinder und Naturvölker sehen darin nichts Schlimmes; auch junge Menschen erleben um die Pubertät herum oft eine Phase, in der sie sich intensiv
und ohne Grauen mit dem Tod beschäftigen. Aber niemand unterstützt dies, niemand fördert die heilsame Beschäftigung mit dem, was nun einmal unsere unausweichliche Zukunft sein wird. Stattdessen bringt man den Jugendlichen bei,
sich ein Leben lang abzulenken, die Vergänglichkeit zu ignorieren, bis der Tod sie unvorbereitet trifft. Ja, man lehrt die jungen Leute nicht einmal, sich auf das Alter vorzu-bereiten! Die »Senioren« von heute, die von ihren
Kindern und der Gesellschaft abgeschobenen Alten, die verbittert ihr grausames Schicksal beklagen, hätten doch eigentlich wissen können, daß das Alter unweigerlich kommt, sie selbst haben genau die Bedingungen geschaffen, unter
denen sie heute leiden!
Aber man lehrt uns Konsum, Arbeit, Erfolg, und wenn die Realität des Lebens sich bemerkbar macht, wenn der Körper hinfällig wird, dann will man uns nicht mehr sehen, dann sollen wir möglichst lautlos verschwinden.
AIDS ist in einer gewissen Weise wie eine Naturerscheinung, die lediglich das früher eintreten läßt, was sowieso geschehen wird: Die lebendige Materie verliert den Kampf gegen die tote Materie. Das ist eine
Beschleunigung eines natürlichen Vorganges und keine Krankheit. Das Virus selbst ist ungefährlich, es ermöglicht lediglich anderen Krankheiten, sich ungehindert auszubreiten. Wenn wir also die anderen Krankheiten verhindern
können, ist das Virus machtlos.
Und es hat einen bestimmten Sinn, AIDS nicht als Krankheit zu sehen: Wenn Du an »Krankheit« denkst, aktivierst Du bestimmte seelische Vorgänge, die dafür sorgen, daß Du Dich schlecht fühlst. Vielleicht kennst
Du diesen Effekt: Du hast Schmerzen, aber Du erzählst von einem schönen Urlaub, von einer menschlichen Begegnung - und sofort fühlst Du Dich besser, Du vergißt, daß Dir eben noch etwas wehtat. Aber umgekehrt funktioniert es
genauso: Du fühltest Dich gut, und dann fängst Du an, über Krankheiten zu sprechen, zu lesen oder zu hören und schon bist Du krank. Dies ist ein geistiger Mechanismus, den z.B. jeder Medizinstudent drastisch am eigenen Leib
erfährt und den man positiv oder negativ einsetzen kann. Du kannst wählen, wie Du Dich fühlen willst, und so mußt Du denken und sprechen.
Um also nicht unnötig Dein Unterbewußtsein mit dem Wort »Krankheit« zu aktivieren, werde ich es möglichst nicht mehr verwenden - ich werde von nun an das Wort POSITIV benutzen, abgeleitet von »HIV-positiv«. Wenn Du
Dich selbst als POSITIV siehst, wird Dein Unterbewußtsein die entsprechenden Kräfte aktivieren, ganz gleich, wie Deine augenblickliche Situation ist.
Übrigens, ich buchstabiere AIDS wie:
»Aids Ist Die Superchance!«,
und nicht etwa: »Anger incorrectly Directed against YourSelf«, (»Zorn, auf falsche Weise gegen Dich selbst gerichtet«), wie es die amerikanische Therapeutin Sally Fisher tut. Allerdings, wenn Du nicht sofort anfängst,
die Sache positiv zu sehen, dann wirst Du zornig und wütend sein, und Zorn und Ärger richten sich immer gegen Dich selbst, und dann verstärkst Du sicherlich jede Krankheit, ganz gleich welcher Art.
Ich kann mir vorstellen, wie schwierig es für Dich sein muß, an AIDS irgend etwas Positives zu entdecken, aber ich möchte Dich bitten, Dich einmal zu fragen, was eine negative Haltung Dir bringt, ob Du nun POSITIV
bist oder nicht? Wenn Du mir beweisen kannst, daß es Dir nützt, zu grübeln und anzuklagen, zu kämpfen und sich zu grämen, sich zu verstecken und sich schuldig zu fühlen, dann ist es in Ordnung. Wenn Du aber feststellst, daß Du
Dir damit nur selber schadest, dann solltest Du beginnen, AIDS wie eine Auszeichnung zu sehen, wie einen Orden zu tragen. Hast Du denn eine andere Wahl?
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Erkenne die Wahrheit
Die Realität ist so, wie sie ist. Alles auf dieser Welt akzeptiert dies. Das So-Sein zu akzeptieren, ist eine Grundeigenschaft, und es gibt nur eine einzige Instanz auf dieser Welt,
die sich hier nicht einfügen will: Das ist der menschliche Verstand. Aber der menschliche Verstand ist irrelevant, ganz gleich, ob er irgend etwas akzeptiert oder nicht: Die Dinge sind so, wie sie sind,
unausweichlich, mit endgültiger Klarheit. Ich sage nicht, daß der Verstand nicht Alternativen suchen soll, Gelegenheiten suchen soll, zu verändern, zu verbessern, aber es ist eine Sache,
etwas zu ignorieren oder nicht zu akzeptieren oder gar dagegen anzukämpfen, und eine andere Sache, es zu verändern. Wenn Du gegen etwas kämpfst, dann heißt das, Du akzeptierst es nicht,
und Du gehst dagegen an, beispielsweise körperlich: Du befindest Dich in einem Raum, und dieser Raum hat eine gewisse Größe, und Du akzeptierst diesen Raum nicht, Du akzeptierst die Wände nicht,
und Du beginnst, gegen die Wände zu kämpfen. Jeder Druck, den Du auf die Wände ausübst, kommt physisch in der gleichen Stärke zurück. Du drückst gegen die Wand,
Du haust gegen die Wand, Du läufst mit dem Kopf gegen die Wand, und die Wand schlägt mit der gleichen Gewalt zurück, mit der Du sie schlägst. Und genau das gleiche passiert,
wenn Du irgend etwas anderes auf dieser Welt bekämpfst. Die Dinge wollen vielleicht gar keinen Widerstand entgegensetzen, aber sie tun es in dem Moment, in dem Du beginnst zu kämpfen.
Und während Du kämpfst, vergißt Du, was Du eigentlich wolltest. Wenn Du Dich beispielsweise in diesem Raum hier fragen würdest: »Was will ich? Ich will einen größeren Raum!« ...
dann gibt es viele Möglichkeiten, den Raum zu vergrößern, aber Du wirst keine dieser Möglichkeiten überhaupt nur sehen, wenn Du zu kämpfen beginnst. Jemand, der kämpft, konzentriert sich total,
fokussiert sein Bewußtsein total auf einen winzigen Punkt der Realität. Ein Kämpfer sieht nicht, was hinter ihm geschieht, ein Kämpfer sieht nicht die große Palette der Möglichkeiten.
Wenn Bäume sich so verhalten würden wie Menschen, würden sie sofort eingehen: Eine ihrer Wurzeln trifft auf einen Stein, und der Baum fängt an zu kämpfen und muß unterliegen gegen den Stein.
Aber der Baum ist klüger, er sucht sofort die Alternativen, er paßt sich an, er akzeptiert den Stein, und die Wurzel hangelt sich am Stein entlang, kriecht am Stein entlang, bis sie eine Spalte findet.
Und wenn sie keine Spalte findet, mag sie um dem Stein herum, am Stein entlang, über den Stein hinweg sich schlängeln, sich wickeln, und während sie die Alternativen sucht, hat sie sich schon wieder
vergrößert, weiterentwickelt, weiterbewegt. Und wer weiß, irgendwann ergibt sich die Gelegenheit: Der Stein wird verwittern, eine Spalte tut sich auf, und schon ist die Wurzel eingedrungen,
und der harte Fels wird gesprengt. So - Du kannst die Dinge von innen heraus verändern, wenn Du sie akzeptierst. Dies gilt nicht nur im Physischen, sondern auch im Geistigen.
Wenn ein Mensch eine andere Meinung hat als Du, und Du beginnst mit ihm zu argumentieren, so wird sich seine Meinung stärken. Ja, er mag Dich sogar dazu benutzen, seine Meinung zu stärken.
Indem Du gegen ihn anredest, hilfst Du ihm geradezu, seine Gegenmeinung auszubauen; und dies geschieht andauernd unter Menschen. Genauso geschieht es in Deinem Körper:
Wenn Du gegen eine Realität in Deinem Körper kämpfst, wirst Du diese Realität zementieren. Ein Mensch mag, zum Beispiel, seine Arme verlieren bei einem Unfall. Wenn dieser Mensch dann anklagt, jammert:
»Warum gerade ich? Hätte ich doch meine Arme noch! Könnte ich doch meine Arme benutzen! Alle Menschen haben Arme, nur ich nicht«, dann wird ihm seine »Armlosigkeit« mehr und mehr bewußt werden,
er wird die Aufmerksamkeit der Umwelt auf seine fehlenden Arme lenken, er wird dauernd und immer schmerzlicher im Bewußtsein der Tatsache leben, daß er keine Arme hat, eben weil er ja diese Gedanken immer wieder
hervorholt, verstärkt. Und bei allem, was er sieht, wird er daran denken, daß er nicht greifen kann, daß er niemanden anfassen kann, daß er nichts tun kann, daß er nicht einmal eine Zigarette rauchen kann.
Und es ist offensichtlich, daß der Grübler, Kämpfer und Nicht-Akzeptierer besessen ist und sein ganzes Leben mit einem sinnlosen Kampf vergeudet, denn nichts, was er denkt, womit er hadert,
wird seine Arme wieder wachsen lassen. Alles Schöne in seinem Leben wird unwichtig werden: daß er sehen kann, daß er gehen kann, und daß er essen kann, daß er trinken kann, daß er überhaupt noch lebt ...
Aber könnte er sich nicht auch fragen: »Was will ich? Ich möchte alleine essen, ich möchte rauchen und ich möchte trinken, ich möchte schreiben, ich möchte jemanden umarmen ... Was muß ich also tun,
wie kann ich es tun?« Und er wird augenblicklich anfangen, nach den Alternativen zu suchen. Und eine Alternative sind die Füße, beispielsweise. Mit den Füßen kann man alles mögliche tun. Es gibt Menschen,
Contergankinder, die von Geburt an keine Arme haben und die sich alleine anziehen, die Essen kochen mit den Füßen. Und man kann das lernen, man kann das üben, und dann ist man beschäftigt,
und man freut sich jeden Tag am Fortschritt, den man macht, auch wenn er nur klein ist. Man hat keine Zeit zum Hadern, weil man beschäftigt ist mit dem Lernen und Üben,
und man wird es völlig vergessen, daß man keine Arme hat. Der Mensch hat wirklich erstaunliche Fähigkeiten, sich jeder Situation anzupassen, und es gibt niemals nur eine Alternative.
Tatsache ist, daß jeder menschliche Fortschritt, überhaupt jeder Fortschritt in der Evolution, nur deshalb möglich war, weil es Widerstände gab, weil ein Problem auftauchte. Warum hat der Mensch überhaupt angefangen,
irgend etwas zu tun? Er hatte Hunger, und er hat nicht gegen den Hunger gekämpft, - was für ein Unsinn - sondern er ist auf die Jagd gegangen. Es regnete, und ihm war kalt und naß,
und er hat sich eine Höhle gesucht oder ein Haus gebaut. Die ganze Evolution war nur möglich aufgrund dieser Widerstände oder aufgrund der Fähigkeit des Menschen, sich kreativ, schöpferisch
mit dieser Welt auseinanderzusetzen. Aber viele Menschen heutzutage haben sich zurückentwickelt, haben die Fähigkeit verloren, irgend etwas kreativ zu bewältigen.
Es geht ihnen einigermaßen gut, für das körperliche Wohl ist gesorgt, und der Geist wird mit Pseudo-Herausforderungen gefüttert, es gibt Fernsehen, es gibt Bücher, Videospiele, Computer ...
So - diese Menschen sind beschäftigt mit irgendeinem Unsinn ... Aber - die Herausforderung des Lebens fehlt. Kinder lernen schon gar nicht mehr, kreativ zu sein. Tiere sind heute viel kreativer als Menschen.
Man hat Versuche gemacht mit Ratten: Man hat sie in einem Labyrinth nach einem Stück Käse suchen lassen und hat registriert, wie oft die Ratte einen bestimmten Weg, wie oft sie einen falschen Weg geht
und wie schnell sie den Käse findet. Nun, eine Ratte geht selten zweimal den falschen Weg. Nur der Mensch rennt immer wieder gegen dieselben Wände. Der Mensch schlägt mit der Faust gegen diese Wände
und rennt mit dem Kopf gegen diese Wände und fragt: »Warum gerade ich? Warum ist das Leben so ungerecht zu mir? Warum ist diese Welt so ungerecht?« Und er schimpft auf die Welt und auf Gott.
Eine Ratte hält sich nicht auf mit dergleichen, die Ratte sucht sich einen anderen Weg, geduldig, kreativ, intelligent. Die Ratte sagt: »Irgendwo muß ein Weg sein!«
und sie sucht konsequent den Weg, und sie findet den Käse. So - Du kannst das Kämpfen jetzt aufgeben, kannst das Grübeln jetzt aufgeben und kannst kreativ werden und kannst fragen:
»Was kann ich in dieser Situation tun? Wie kann ich diese Situation positiv benutzen? Was kann ich aus dieser Situation lernen?« Und es gibt unglaublich viel zu lernen:
Du hast, zum Beispiel, die einmalige Chance, das wahre Gesicht dieser Welt zu erkennen, das wahre Gesicht dieser Zeit, das wahre Gesicht der Menschen, mit denen Du zu tun hast,
das wahre Gesicht der Menschen überhaupt. Und Du hast vielleicht schon die Erfahrung gemacht, daß du Dich getäuscht hast in gewissen Menschen. Es mag sein, daß Du einen Menschen kanntest, den Du sehr gern hattest
und von dem Du glaubtest, er habe Dich auch gern, und in letzter Zeit hat sich etwas verändert. So - Du hast in gewisser Weise den Menschen gezwungen, sein wahres Gesicht zu zeigen.
Jetzt stellt sich heraus, daß Du Dich getäuscht hast, daß dieser Mensch anders war, als Du dachtest. So - Du hast etwas gelernt über diesen Menschen, und Du wirst diesem Menschen nicht böse sein, denn Du warst es,
der sich mit diesem Menschen eingelassen hat. Du warst es, der sich hat täuschen lassen, vielleicht sogar, der sich hat gerne täuschen lassen, weil Du die wahre Natur Eurer Beziehung nicht erkennen wolltest.
Du kannst mit einem Menschen sehr eng zusammen sein, körperlich zusammensein, Du magst glauben, daß Du diesen Menschen liebst, und daß dieser Mensch Dich ebenfalls liebt um Deiner selbst willen. Aber dann,
in einer bestimmten Situation, liebt er Dich plötzlich nicht mehr, ohne daß Du Dich wesentlich verändert hättest. So - Deine Grundvoraussetzung, unter der Du mit diesem Menschen zusammenwarst,
muß falsch gewesen sein. Du wolltest es damals nicht wissen; dieser Mensch wollte vielleicht etwas von Dir, und sonst gar nichts. Er wollte nichts geben, er wollte vielleicht nur nehmen,
oder er hatte irgend ein anderes geheimes Motiv, mit Dir zusammen- zusein und jetzt kommt die Wahrheit ans Tageslicht. Du hast Dich so gut wie überhaupt nicht verändert,
und dennoch will dieser Mensch nichts mehr mit Dir zu tun haben. So - Du hast Dich getäuscht in diesem Menschen. Du hast die Augen verschlossen. Du mußt es irgendwo gespürt haben,
daß dieser Mensch Dich vielleicht nur ausnutzen wollte oder daß dieser Mensch sich nur gelangweilt hat, daß er vielleicht wollte, daß Du ihm die Zeit vertreibst.
Dieser Mensch wollte vielleicht nur von Dir befriedigt werden, gestreichelt werden. Und was er zu geben hatte, kam nur widerwillig im Austausch, gezwungenermaßen: ein Handel.
Aber jetzt will dieser Mensch nicht mehr mit Dir »handeln«, in seinen Augen ist der »Preis« zu hoch geworden, und das ist gut so. Wenn Du es einmal so siehst, ist es vielleicht wirklich besser, allein zu sein,
als mit einer Lüge zu leben, als sich belügen zu lassen. Die meisten Menschen wollen mit Lügen leben, wollen belogen werden. Aber Dir ist die Chance gegeben, dieses Stadium hinter Dir zu lassen.
Dir ist die Chance gegeben, die Wahrheit zu sehen, die Wahrheit über die Natur mancher Formen menschlichen Zusammenlebens. Ein großer Prozentsatz der Menschen ist nicht so, wie wir es gerne hätten
oder wie wir gerne glauben, daß es sein sollte. Du kannst plötzlich hinter die Fassaden sehen. Aber sei nicht böse mit den Menschen, Du warst vielleicht auch so. ... Vielleicht machst Du irgendwann die Erfahrung,
daß irgend etwas in Dir allen Menschen sagen möchte: »Schaut her: Ich habe Aids, ich bin krank, ich werde sterben.« Es mag sein, daß dahinter nur ein Machttrip steckt,
aber in einer gewissen Weise hast Du Macht: Denn der Mensch, der Dir gegenübertritt, muß seine Maske fallenlassen. Er muß sich durch Dich mit der Wahrheit beschäftigen, und die letztendliche Wahrheit ist der Tod,
alle anderen Wahrheiten sind nur Wahrheiten auf Zeit, die einzige endgültige Wahrheit ist die Vergänglichkeit des Lebens, des Körpers. So - wenn Dein Gegenüber weiß: Du hast Aids, oder Du bist infiziert,
dann denkt er vielleicht an den Tod, und glaube mir, ihm wird komisch, weil er an seinen Tod denken muß, aber diesen Gedanken möchte er verdrängen, er möchte sich belügen, er möchte sich betäuben,
aber durch Dich wird er auf diese existentielle Ebene geworfen, auf der wir früher alle gelebt haben, auf der die gesamte Natur lebt. Und er muß Farbe bekennen, in vielerlei Hinsicht:
Zum Beispiel muß er konfrontieren wie sein wirkliches Verhältnis zu anderen Menschen ist. Benutzt er andere Menschen nur, um sich zu produzieren, um irgend etwas zu spielen?
Sind andere Menschen für ihn Gelegenheiten, um sich seine eigensüchtigen Wünsche zu erfüllen? Oder um zu manipulieren? Oder um Machtspiele zu spielen? Wenn Du spürst, daß dieser Mensch Angst vor Dir hat,
dann weißt Du, er hat Angst vor sich selbst, vor seinem eigenen Inneren, vor den Abgründen in seiner eigenen Seele. Du erkennst das wahre Gesicht der Menschen. Und Du wirst sensibler und sensibler
dafür, was die anderen denken, weil sie mit der Wahrheit konfrontiert sind, wenn Du sie anschaust. Und im Angesicht der Wahrheit fällt die Maske, fällt der Panzer. Es ist fast etwas Religiöses,
so als ob sie schon vor einem Gott stehen, der ihre Taten wägt, der ihr Leben beurteilt. Hab Mitleid, wenn Sie vor Dir weglaufen, dann sind sie nicht reif für die Wahrheit. Solche Menschen verdienen Dein Mitgefühl.
In allen wirklichen Religionen waren die Priester einmal dazu da, diese Aufgabe zu erfüllen, die Menschen aufzuwecken, aufzurütteln, auf die Wahrheit hinzuweisen. »Wach auf!« sagen alle Religionen.
»Wach auf aus Deinen Träumen!« Das ewige Leben ist ein Traum. Ruhm ist ein Traum. Karriere ist ein Traum. Reichtum ... alles Träume! Wenn Du stirbst, stellt sich heraus, was bleibt und was nicht bleibt.
Und was nicht bleibt, muß ein Traum gewesen sein. Dieses Leben ist ein Traum. Und Du hast die Chance, jetzt zu erwachen, bevor der Traum zu Ende ist. Und Du hast sogar die Chance, anderen Menschen zu helfen,
daß sie aufwachen, bevor der Traum zu Ende ist. Durch Dich können sie erinnert werden, daß dies alles ein Traum ist und daß nichts bleibt, von dem, womit man sich im normalen Leben so ernsthaft beschäftigt.
Ich sage nicht: Hör auf mit dem normalen Leben, nein, genieße alles, was sich Dir bietet. Aber nimm das alles nicht so ernst. Wisse, daß es ein Traum ist, und genieße den Traum. Es ist so ähnlich wie im Kino:
Du weißt, daß es ein Film ist, aber wenn Du Dich total auf den Film einläßt, kann der Film einen größeren Genuß schenken, als das Leben selbst. Und Du kannst Dein Leben genauso genießen wie einen Film.
Die meisten Menschen genießen Filme, aber nicht das Leben. Aber Dein Leben ist auch ein Film, und es ist seltsam, daß man im Film die dramatische Situation liebt, die Verwicklungen. Warum nicht auch im Leben?
Deine Situation bietet Dir vielleicht die Möglichkeit, dies alles auf einer existentiellen Ebene zu erkennen. Viele Menschen hören mir zu und verstehen zwar, was ich sage.
Aber wissen sie es zehn Minuten später auch noch, wenn die Meditation zu Ende ist? Wie oft denken sie daran? Sie denken heute noch einmal daran und morgen noch einmal, und dann ist es bald vergessen.
Intellektuelles Verstehen hat nicht viel Wert. Was Wert hat, ist ein essentielles Verstehen, und essentiell heißt: mit jeder Faser Deines Körpers. Und damit Du mit jeder Faser Deines Körpers verstehst, mußt Du
immer wieder daran erinnert werden. Du mußt einen Wecker haben, der Dich bewußt macht, der Dich wach macht und der Dir sagt: »Schau, das Leben ist ein Traum, genieß den Traum - und wisse, daß es ein Traum ist.«
Und Du hörst diesen »Wecker« vielleicht jetzt in Deinem Leben »ticken«, so - benutze ihn, erfreue Dich seiner. Und laß andere ruhig daran teilhaben, schau sie an, schau ihnen in die Augen.
Versuche nicht auszuweichen, versuche nicht abzulenken. verstecke Dich nicht. Sag ihnen: »Ja, schaut mich an, ich weiß, was das Leben ist. Und Du kannst es auch wissen, Du kannst teilhaben an meiner Erfahrung.
Schau, was Du aus Deinem Leben machst. Ist es das, was Du wirklich willst? Ist es richtig, dies aufzuschieben? Mußt Du erst noch dies oder jenes machen, bevor Du in zwei Jahren, in drei Jahren, in zehn Jahren,
in vierzig Jahren wirklich anfängst zu leben? Bis dahin kann es zu spät sein!« Da die Religionen versagen, da sie degeneriert sind und sich nur noch mit kindischen Fragen beschäftigen,
mußt Du zwischenzeitlich ihre wahre ursprüngliche Aufgabe über- nehmen: den Menschen klarzumachen, was wirklich wichtig ist. Du kannst zu einem Lehrer werden, zu einem Guru, zu einem Meister, zu einem Priester,
denn Du lebst mit der Wahrheit. Du lebst mit dem, was wahr ist, was real ist. Und nicht nur die Menschen zeigen Dir ihr wahres Gesicht, sondern auch die Gegenstände,
die ganze Welt zeigt Dir ihr wahres Gesicht. Die Welt zeigt Dir, zum Beispiel, daß das Stück Rasen vor Deinem Haus genauso wertvoll ist wie anderswo der Naturschutzpark. Du siehst, daß es nicht darauf ankommt,
möglichst viel von etwas zu haben, Du siehst, daß nur das, was Du jetzt in diesem Moment genießen kannst, einen Wert hat. Du siehst, daß nicht das, was Du in zehn Jahren erworben haben wirst, einen Wert hat,
sondern das, was Du jetzt hast. Natürlich kann man sich freuen auf irgend etwas, was man bekommen wird, wie ein Kind, das sich auf Weihnachten freut. Aber genieße diese Freude hier und jetzt,
und denk nicht an den Auslöser, daß Du es erst haben mußt, um Dich zu freuen. Nein, freu Dich an der Freude, schau Dir die Kinder an, wenn sie in der Erwartung leben.
Du kannst Deine ganze Umgebung daraufhin untersuchen, ob sie so ist, wie Du es wirklich haben willst, oder ob nicht das eine oder andere verändert werden kann. Ein Mensch, der in der Zukunft lebt und unbewußt so tut,
als ob alles immer weitergeht, umgibt sich manchmal mit Dingen, Menschen und Situationen, mit einem Arbeitsplatz, der nicht seinem Wesen entspricht und der ihm kein Behagen bereitet, weil er ja denkt,
er würde es irgendwann ändern, aber inzwischen ist es zur Gewohnheit geworden und ändert sich vielleicht nie. Aber Du hast die Chance, es jetzt zu ändern. Du kannst alles, was um Dich herum geschieht,
alles, was ist, mit diesen Augen betrachten. Du kannst ins Hier und Jetzt kommen, und dann gibt es nur noch die Freude an dem, was ist, was es auch sei, nicht mehr und nicht weniger.
Genieße Dein Leben! Der normale Mensch lebt im Morgen, weil er glaubt, er würde ewig leben. Und er plant für morgen, aber das Morgen kommt niemals.
Er spart für morgen, er denkt an morgen, er verschiebt das Leben auf morgen und arbeitet, damit er morgen seine Wünsche erfüllen kann. Aber da der Tag niemals kommt,
an dem er sich seine Träume und Wünsche erfüllt, an dem er endlich das tut, was er schon immer tun wollte, wird er älter und älter und vergißt mehr und mehr den ursprünglichen Zweck seines Lebens,
den ursprünglichen Wunsch, den er einmal hatte. Und er muß sich betäuben, damit er diesen Mechanismus bloß nicht durchschaut; denn wenn er ihn durchschauen würde, müßte er augenblicklich der Lüge,
dem Betrug seines Lebens ins Angesicht schauen. Und vielleicht kommt der Tod irgendwann plötzlich und unerwartet ... Du kannst manchmal auf Bildern dies erstaunte Gesicht sehen,
das Menschen haben, wenn sie ohne jede Vorwarnung sterben, ein unglaubliches Erstaunen, ein ungläubiges Erstaunen. Manche Menschen werden vom Tod überrascht, bevor sie angefangen haben zu leben.
Und andere werden alt und älter, unbewußter, schläfriger, gewohnheitsmäßig innerlich mit Gedanken beschäftigt, Gedanken an die Zukunft oder die Vergangenheit, und ehe sie es bemerken, werden sie alt,
und ehe sie es bemerken, werden sie krank. Und wenn ihnen noch ein letzter Rest von Bewußtheit geblieben ist, dann kommt jetzt die Reue: wenn sie zum Beispiel pensioniert werden und plötzlich Zeit haben
zu sehen, daß das Leben an ihnen vorbeigegangen ist. Aber dann ist es zu spät, denn der Körper ist hinfällig, das Gehirn funktioniert nicht mehr so recht, weil es niemals geübt wurde, die Gefühle sind vertrocknet.
Der Mensch ist senil geworden, geistig verwirrt und stirbt irgendwann als lebende Leiche. Menschen, die, während sie im vollen Leben stehen, plötzlich ein Bewußtsein des herannahenden Todes,
des unausweichlich herannahenden Todes bekommen, die vom Schicksal darauf gestoßen werden, daß der Tod die einzige unausweichliche Realität in diesem Leben ist,
daß der Tod die einzige hundertprozentige Sicherheit dieses Lebens ist, sind begünstigt vom Schicksal. Denn sie können alles, was sie tun, und alles, was sie denken, und alles, was sie fühlen, einer unbarmherzigen
Prüfung aussetzen, unbarmherzig, aber heilsam: »Ist das, was ich jetzt tue, im Angesicht des herannahenden Todes wichtig für mich? Bringt es mich wirklich weiter? Ist es wirklich relevant?
Verschafft es mir das, was ich wirklich möchte, verschafft es mir den Genuß, den ich mir ersehne?« Solche Menschen können ihre Zeit nicht mehr verplempern, nicht mehr verschwenden,
solche Menschen können sich eigentlich auch nicht mehr langweilen, denn es gibt so viel zu sehen, zu erleben, wahrzunehmen, zu tun, zu genießen. Ein Mensch, der frühzeitig die für jeden geltende
endgültige Wahrheit des Todes nicht nur erkennt, sondern auch massiv in sein Leben integriert, ist weise geworden, unabhängig von seinem Alter. Nichts ist so sicher wie der Tod, nichts anderes
ist so mächtig, nichts anderes ist im Grunde genommen so göttlich geblieben. Der Mensch hat seine Hand auf alles gelegt, oder zu legen versucht, aber der Tod ist unberührt geblieben, die einzige Domäne,
wo der Mensch es bislang nicht geschafft hat, etwas zu bewirken, etwas zu verändern, etwas zu verunreinigen. Auch Tiere denken niemals über den Tod nach, Tiere beschäftigen sich niemals mit dem Tod, allerdings:
Tiere verstehen es zu sterben. Wenn Du jemals ein sterbendes Tier beobachtest hast: diese Schönheit! Königlich, voller Würde, göttlich stirbt das Tier. Es tut alles, um sein Leben zu retten,
wenn es bedroht wird, aber sowie es spürt, daß das keinen Sinn mehr hat, daß es Zeit ist zu gehen, hört der Kampf auf. Ein Mensch mag niemals aufhören zu kämpfen,
er mag mit seinem Schicksal hadern bis zum letzten Atemzug, ein Tier gibt auf, sobald es spürt, daß der Tod unausweichlich ist. So - wenn Du die Gelegenheit bekommst von der Schöpfung, vom Universum,
diese endgültige, ultimative Wahrheit und Weisheit in Dein Leben zu integrieren, sei dankbar. Du hältst ein Geschenk in der Hand, das Dir helfen wird, das Leben wirklich zu leben, das Leben wirklich zu lieben.
Man kann nur lieben, was einem wertvoll ist, und wertvoll ist das, was nicht selbstverständlich ist, was selten ist, das Besondere. Das Leben ist etwas Wertvolles, Besonderes, aber das wissen die wenigsten,
erst, wenn es zu spät ist, kommt dieses Bewußtsein. Die meisten Menschen leben überhaupt nicht, die meisten Menschen betäuben sich. Aber Du kannst wach werden, kannst jede Sekunde genießen,
jede Sekunde willkommen heißen, die Dir geschenkt wird. Das Leben ist ein Geschenk. Das Leben ist im Universum nicht der Normalfall. Hauptsächlich und überwiegend besteht das Universum aus leerem Raum
und aus ganz wenig Materie, aber diese Materie hat eine unglaublich hohe oder unglaublich niedrige Temperatur, oder es wirken unvorstellbare Schwerkräfte, entfesselte Naturgewalten.
Diese Erde ist eine absolute Ausnahme im Universum, eine geschützte Nische. Aber das Leben ist immer noch in einer gewissen Weise ein Fremdkörper, selbst auf unserer Erde. Menschen der Länder der Dritten Welt
können dieses Bewußtsein noch haben, daß nämlich das Leben das Ungewöhnliche ist, und der Tod das Normale. Wir haben in unserer Zivilisation ein wenig das Bewußtsein für die Relationen verloren,
für die Realitäten. Auch wenn Du das Leben einer Seele zeitlich untersuchst, wenn Du Dir den zeitlichen Ablauf vergegenwärtigst, dann stellst Du fest, daß auch die menschliche Seele sich überwiegend
in anderen Regionen aufhält, in anderen Aggregatzuständen als ausgerechnet in einem lebendigen physischen Körper. Wenn Du berechnest, wie viele Menschen je gelebt haben, und wie viele jetzt auf der Erde sind,
dann siehst Du: Dies ist ein Ausnahmezustand, eine besondere Auszeichnung vielleicht für diejenigen, die stark genug sind, oder für diejenigen, die intelligent genug sind,
für diejenigen, die lebensfähig genug sind. Und diese »Ferien« von den möglichen anderen Zuständen, in denen Du Dich sonst befindest, müssen benutzt werden. Und Du kannst selbst herausfinden, wofür.
Ich glaube nicht, daß diese »Ferien« genutzt werden sollen, indem man ein Drittel seines Lebens verschläft und ein zweites Drittel »ver-arbeitet« und im dritten Drittel sich langweilt, die Zeit »totschlägt«.
So - Du hast die Chance, Dir dies alles bewußt zu machen. Der normale Mensch »von der Straße« wird dies alles abtun. Je jünger er ist, um so mehr wird er es abtun,
bestenfalls wird er sagen: »Jaja, Du hast ja recht, aber jetzt gehe ich in die nächste Disco«, oder: »Jetzt kauf ich mir einen Lore-Roman«, oder: »Ich gehe einen trinken«. Ich sage nicht: Du sollst nicht mehr
diese unschuldigen Vergnügungen suchen, aber diese unschuldigen Vergnügungen können eine andere Qualität bekommen, wenn Du weißt: Dieses Mal könnte das letzte Mal sein. Alles bekommt eine andere Qualität.
Wenn Du Dich wirklich entschließt, einen Lore-Roman zu lesen, und Du liest diesen Lore-Roman in dem Bewußtsein, daß Du vielleicht morgen stirbst, dann kannst Du durch diesen Lore-Roman die endgültige Wahrheit
erfahren, ja, erleuchtet werden. Wenn Du in eine Kneipe gehst und rauchst und Bier trinkst oder Billard spielst und Du weißt, es ist vielleicht das letzte Mal, dann wirst Du diese Kneipe
so sehr genießen, daß Du nichts anderes mehr brauchst: keine Meditation, kein Gebet, keine »spirituellen Übungen«. Diese Kneipe kann für Dich zum Paradies werden. Und ich kannte Menschen, die zu mir sagten:
»Was gäbe ich drum, mit Dir nur ein Bier trinken zu gehen.« Aber dies geschah erst, als es zu spät war. Und die, die es noch können, die es noch dürfen, wissen es nicht zu schätzen. Die meisten Menschen
nehmen nichts wahr von der Schönheit der Kneipe, von der Schönheit des Billard, selbst von der Schönheit des Betrunkenen an der Theke. Wenn Du weißt, dies ist das letzte Mal oder vielleicht das vorletzte Mal,
dann fangen die Konturen in dieser Kneipe an, schärfer zu werden, der Rauchvorhang verwandelt sich für Dich in einen magischen Schleier, die Gesichter der Menschen werden unglaublich leuchtend und interessant.
Es mag sogar sein, daß diese Kneipe plötzlich von feinsten Energiefäden durchzogen ist, von Schwingungen, von Geschichten, von Bildern, von Phantasien. Es mag sogar sein, daß Du plötzlich
das Leben all dieser Menschen verstehst, daß Du plötzlich das Leben überhaupt verstehst. Und Du trinkst vielleicht etwas, aber Du wirst nicht be-trunken, sondern Du genießt mit dem ganzen Körper das Gefühl,
wenn sich die Wärme in Deinem Bauch ausbreitet oder das besondere Gefühl im Kopf, das Schwingen, Du genießt die Zigarette, die Du rauchst, jeden Zug. Und eine Zigarette ist zu wertvoll, um sie
mal eben schnell wegzupaffen, ohne daß man es merkt. Jede Zigarette ist Deine letzte Zigarette. Und das Billardspiel ist kein normales Billardspiel mehr, plötzlich drehen sich Sonnen und Monde
auf dem grünen Tisch, faszinierende Figuren entstehen durch die sich drehenden, kreiselnden, zusammenprallenden Kugeln; der Billardtisch wird zum Himmel, an dem Planeten und Milchstraßen und Sonnensysteme
sich bewegen, sterben und neu geboren werden. Plötzlich erschließen sich Dir die Wunder der physikalischen Gesetze: daß eine Kugel die andere anstößt und selber stehenbleibt, oder
daß eine Kugel im gleichen Winkel von der Bande abprallt, in dem sie auftraf. Das scheinbar Banale wird zum Wunder. Die Geräusche des Billardspiels werden Musik in Deinen Ohren, das Klicken der Kugeln,
das Klackern ... Und Du spielst nicht einfach Billard mit anderen zusammen, sondern es ist eine Kommunikation zwischen Euch, ein geheimer Austausch. Menschen spielen Billard, aber
in Wirklichkeit geschieht viel mehr. Du nimmst etwas auf vom anderen, Du wirst eins mit dem anderen oder mit mehreren anderen, Ihr seid plötzlich eine Gruppe, eine Einheit.
Die Seelen tauchen ineinander, so banal das Billardspiel auf den ersten Blick scheint. Wenn Du wirklich beobachtest, was zwischen Menschen abläuft, die zusammen ein Spiel spielen:
Dabei kann eine Art Andacht entstehen, etwas fast Religiöses. Wenn Du noch nicht verstanden hast, was ich meine: Stell Dir vor, Du verliebst Dich in einen Menschen, und es ist noch nicht Zeit,
nebeneinander zu sitzen und sich tief in die Augen zu schauen, so weit bist Du noch nicht, so - Du gehst es langsam an, und Du lädtst diesen Menschen zum Billard ein, und Du bist total in diesem Spiel,
aber Du spürst plötzlich die Erotik im Billard, das Queue in der Hand, seine Glätte, seine Form ... und die Kugeln, die runden Rundungen der Kugeln: wie erotisch, das Glänzen ...
und Du versuchst, die Kugeln in ein Loch zu praktizieren, und Ihr berührt Euch ganz unabsichtlich während des Spiels. Du spielst nicht schlechter, weil Dich die Liebe ablenkt,
weil Dich das Verliebtsein ablenkt, im Gegenteil, Du spielst besser, weil Du ihr oder ihm gefallen willst. So - plötzlich wird Dir jede Bewegung bewußt, die Du machst, plötzlich merkst Du, daß Dein Körper
Billard spielt, der ganze Körper. Deine Bewegungen werden eleganter ... geschmeidiger ... Und man kann sich in alles verlieben, in jeden Menschen, in jede Situation. So - ich sage nicht, versage Dir
banale Vergnügungen, denn sie sind nicht banal, wenn Du sie nicht banal machst. Ein Mann, der seit zehn Jahren im Gefängnis sitzt und der noch viele Gefängnisjahre vor sich hat,
was würde er geben für einen solchen »alltäglichen« Abend? Frag einen solchen Mann! Und jemand, der morgen ins Gefängnis geht, wird seinen letzten Abend ebenfalls für sehr wertvoll erachten.
Und der Abend wird wertvoll durch Deine Bewußtheit, und die Bewußtheit entsteht durch das Wissen: Dies ist ein besonderes Geschenk, die Ausnahme, ein Gottesgeschenk.
Und jede Sekunde Deines Lebens ist ein solches Gottesgeschenk, denn Du weißt nicht, wie lange Du noch lebst. Noch hast Du die Chance, all dies zu genießen, auszukosten, auszusaugen bis zur letzten Sekunde.
Schau Dich um: so viel zu sehen, so viel zu hören, so viel zu riechen, immer noch so viel zu erleben. Und dann hast Du vielleicht gar keine Zeit mehr, zu hadern oder zu grübeln,
denn jede Sekunde, die vergeht, ist verloren, für immer verloren. Und es ist Deine freie Entscheidung, ob Du Deine Sekunden mit Grübeln verschwenden willst oder ob Du sie auskosten willst.
Und es spielt dann letzten Endes keine Rolle mehr, was Du genau tust. Auf der einen Seite wirst Du das tun, was am meisten Spaß macht, was Dir am meisten bringt,
aber auf der anderen Seite wirst Du alles genießen, was sich Dir bietet. Dein Leben wird reicher und tiefer, wertvoller, und Du hast den anderen etwas voraus: Du bist im Besitz der Wahrheit des Lebens,
eine Chance zur Erleuchtung. Denn absolut bewußt, mit allen Fasern zu leben und zu genießen, was auch immer es ist, ist Erleuchtung.
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