Die Chance AIDS 2.Teil

Starke Wirkungen der Texte

Es kann sein, daß Du noch nie einen Text wie »Erkenne die Wahrheit« oder »Genieße Dein Leben!« gelesen hast. Es sind keine Gedichte, aber auch keine Prosa und sie haben beim Lesen eine starke suggestive Wirkung, die den meisten Menschen durchaus angenehm ist. Ich nenne diese Texte Meditationen oder »Channelings«. In meinem Buch »WEISHEIT AUS DEM UNBEWUSSTEN« (Goldmann-Verlag) habe ich ausführlich erklärt, wie man solche Texte erstellt und benutzt; hier mag es genügen zu wissen, daß sie das Unterbewußtsein stärker als »normale« Prosa beeinflussen.

Du kannst diese Wirkung steigern, wenn Du sie Dir vorlesen läßt oder Dir selbst auf Band sprichst und sie Dir dann anhörst. Du wirst feststellen, daß Du in einen eigenartigen Zustand gehst, der Dir allerdings sehr bekannt vorkommt - Du hast ihn als Kind oft erlebt. In diesem Zustand regt Dich der Meditations-Text zu eigener unbewußter Kreativität an, Du löst innerlich bestimmte Probleme, ohne überhaupt zu wissen, was es für Probleme sind oder wie es geschieht. Märchen üben bei Kindern sicherlich eine ähnliche Funktion aus, leider wurde auf diesem Gebiet bisher viel zu wenig geforscht.

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Die Pole des Lebens

Es ist bemerkenswert und sicher kein Zufall, daß AIDS in einer gewissen Weise die beiden Pole des Lebens miteinander verbindet: Sexualität und Tod. So mancher wurde hierdurch schon zu Spekulationen angeregt, denn die beiden archetypischen Gegenpole scheinen die morbide Faszination zu verstärken, die das geheimnisvolle Phänomen AIDS ausübt.

Sexualität schenkt Leben, und der Tod nimmt es. Sexualität ist der Beginn des Lebens und der Tod das Ende. Das Leben spielt sich zwischen diesen beiden Polen ab. Diese beiden Pole machen das Leben möglich, diese beiden Pole sind in einer gewissen Weise das Leben, so, wie die Münze zwischen ihren beiden »Enden« Vorder- und Rückseite »entsteht«. Was würde das für eine Münze sein, die nur eine Rückseite hat?

Aber Menschen können versuchen, die eine Seite einer Sache zu ignorieren, nur wird dadurch die andere Seite überbetont. Eine Gesellschaft, die den Tod leugnet, muß Sexualität überbetonen, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. In unserer Gesellschaft ignorieren wir den Tod und beschäftigen uns demzufolge übermäßig mit der Sexualität.

Aber es ist relativ leicht, das Gleichgewicht wieder herzustellen - die Furcht vor dem Tod sitzt keinesfalls besonders tief, und die Besessenheit mit dem Sex hört auf, sowie man sich mit der Realität beschäftigt. Unsere Verdrängungen und Besessenheiten sind kulturelle Erscheinungen, die keinesfalls bereits in unseren genetischen Code eingedrungen sind.Die meisten Menschen erfassen intuitiv die Wahrheit, ganz gleich, was man ihnen einzureden versucht.Wer sich dazu entschließt, eigenverantwortlich zu leben und nur seinem Gefühl verpflichtet zu sein, wird bald eine gesunde, natürliche Haltung zu den Polen des Lebens zuückgewinnen.

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Sexualität

Sexualität ist eine starke Kraft im Leben des Menschen.
Aber man muß auch sehen, daß sie überbetont wird
durch unsere Gesellschaft.

Menschen, die Profit machen wollen,
verkaufen mit Sex.

Jeder Werbefachmann weiß, daß Sex sich verkauft.
Jeder Zeitschriftenverlag weiß, daß Sex die Auflage steigert.
So - Sexualität spiegelt sich überproportional in den Medien.
Und dies hat einen sich selbst erhaltenden,
sich selbst verstärkenden Prozeß in Gang gesetzt.
Kein Tier beschäftigt sich so sehr mit der Sexualität.

Biologisch gesehen ist Sexualität bei weitem nicht so wichtig,
wie sie uns scheint.
Der Mensch hat zwar ein Bedürfnis, sich fortzupflanzen,
aber dieses Bedürfnis ist nicht mehr so stark,
wie vielleicht in früheren Zeiten:
Die Rasse muß nicht mehr erhalten werden,
im Gegenteil - es gibt zu viele Menschen auf der Welt.

So - was bleibt, ist die Lust,
aber die Lust, die Sucht nach Genuß ist ebenfalls
überwiegend biologisch,
wenn Du das Biologische wegläßt,
bleibt nur die Liebe.

Wir brauchen weniger Sexualität und mehr Liebe.
Aber mit der Liebe beschäftigen wir uns viel zu selten.
Viele Menschen wissen gar nicht, was das überhaupt ist.

Du beschäftigst Dich mit den Dingen,
von denen Du umgeben bist, das ist natürlich.
Du stellst Dir das vor, was man Dir suggeriert.
Du erlebst im Geist, was Du in den Illustrierten siehst,
worüber Deine Freunde reden.
Wenn Du viele Pornofilme siehst,
wirst Du selber das tun wollen, was Du da siehst.
Aber sowie Du Dich anderen Einflüssen aussetzt,
läßt der Drang zur Verwirklichung sexueller Vorstellungen nach.
Und es hat in der Geschichte Zeiten gegeben,
in denen man der Sexualität keinerlei Bedeutung zumaß,
es war eine Verrichtung wie jede andere,
etwas, was man nebenbei tat.
Nicht, daß man keine Lust empfand bei der Sexualität,
aber es war nicht wichtig.

Schon in der Schule haben die Jungen sich mit »Eroberungen«
hervorgetan,
und natürlich mußten die Mädchen mitspielen - wer nicht erobert
wurde,
war nicht attraktiv.

Man mißbraucht körperliche Liebe als Statussymbol,
soziale Spielchen benutzen lediglich Sexualität,
um eine Rangordnung, eine Hackordnung festzulegen.
Es ist wie beim Auto: Es dient nicht mehr hauptsächlich der
Fortbewegung,
wofür es einmal geschaffen wurde,
sondern es ist ein Mittel geworden,
seinen sozialen Status zu bestimmen und zu zeigen,
ein Machtmittel.

Frauen hatten vielleicht früher Probleme, einen Orgasmus zu
bekommen,
waren vielleicht unbefriedigter als heute.
Heute versucht man, Frauen zu lehren,
wie sie einen Orgasmus bekommen können
und wie oft sie einen Orgasmus bekommen müssen,
und diese Frauen vergleichen sich mit dem, was sie lesen,
was sie hören, und sie werden unzufrieden.

Ich sage nicht, daß eine Frau sich nicht damit beschäftigen soll,
wie sie einen Orgasmus bekommen kann,
aber es ist ein Unterschied, ob diese Beschäftigung
einem natürlichen Bedürfnis entspricht,
oder ob ein Druck von außen ausgeübt wird.

Bei den Männern ist dieser Druck offensichtlich:
Man setzt bei ihnen voraus, daß sie potent sind,
daß sie »nur das Eine« wollen,
daß sie orgasmusfähig sind,
und die Männer müssen diesen Vorurteilen gerecht werden:
Kaum ein Mann mag zugeben, daß er vielleicht nur Zärtlichkeit will,
nur geliebt werden will.
Aber wenn Du Männer als Psychologe und unter vier Augen befragst,
stellst Du fest,
daß viele von ihnen unter diesem Leistungsdruck leiden,
daß viele von ihnen oft gar keine Lust beim Orgasmus empfinden,
daß viele von ihnen lieber nur schmusen würden.

Kaum jemand weiß, daß manche Männer gar Schmerzen beim
Orgasmus empfinden,
ihr Orgasmus ist nur noch Ejakulation und keine Lust mehr.

Ein Großteil unserer Probleme mit der Sexualität
beruht darauf, daß wir uns nicht getrauen,
das auszusprechen, was wir wirklich wollen,
uns das zu holen, was wir wirklich wollen und brauchen.

Vielleicht wollen eigentlich wir nur diese Lust wiedererleben,
die wir als Baby erlebt haben,
vielleicht wollen wir nur gestreichelt werden,
vielleicht wollen wir nur gehalten werden,
vielleicht wollen wir nur gewiegt,
beruhigt und geliebt werden?

So - Du versuchst vielleicht, Dir das, was du wirklich willst,
auf einem Umweg zu holen.
Du willst vielleicht nur nicht zugeben,
daß Du einfach nur geliebt werden willst.
Du brauchst Deine sexuelle Aggression vielleicht als Vorwand.

Meine Erfahrung ist, daß Frauen,
wenn sie sich selbst absolute Freiheit geben,
meist einen Nachholbedarf an Sex haben,
weil sie ihn jahrelang unterdrückt haben,
und daß Männer innerhalb kürzester Zeit
ihre sexuelle Aggression aufgeben,
und daß die Geschlechter sich dann plötzlich
gar nicht mehr so sehr voneinander unterscheiden:

Beide haben haben ein zärtliches Bedürfnis,
ein liebevolles Bedürfnis,
und diese Bedürfnisse unterscheiden sich interessanterweise
gar nicht von denen vieler Tierarten.

Viele Tiere haben zärtliche Kontakte:
Wildschweine reiben sich aneinander,
Affen kraulen sich gegenseitig, kitzeln sich gegenseitig,
Katzen spielen miteinander ...
Sie haben diese Bedürfnisse und erlauben es sich,
ihnen zu folgen.

Nur der Mensch
kaschiert einerseits dieses Bedürfnis nach Zärtlichkeit und nach Liebemit
einem sexuellen Draufgängertum,
aber andererseits lebt er dieses sexuelle Draufgängertum auch nicht
recht aus,
so - er hängt in der Luft,
er hängt zwischen zwei Extremen.
Und wer zwei extreme Wünsche hat und sich keinen erfüllt,
wird ewig in der Mitte hängenbleiben,
voller Vorstellungen, voller Gedanken,
voller Gier, voller Lust nach etwas,
was nie getan und erfüllt wird.
Und diese Gedanken und Vorstellungen hören niemals auf,
weil jeder Gedanke neue Gedanken hervorbringt ...

Ein Mensch, der sein Leben von innen heraus lebt,
wendet sich in einem gewissen Alter anderen Dingen zu.

Es gibt eine Zeit in der Pubertät,
und nach der Pubertät,
wo Sexualität sehr wichtig sein kann, und das ist gut so.
Aber Menschen unterdrücken ihre Sexualität in dieser Zeit
oder werden von der Gesellschaft gezwungen, sie zu unterdrücken.

Und wenn sie älter werden, wird dieser Drang und dieser Trieb
stärker und stärker.
Und dann versuchen sie, offener und offener ihre Träume zu erfüllen,
aber im Alter wird es zunehmend schwerer,
weil es weniger Partner gibt,
weil der Mensch schwieriger wird,
weil sein Körper nicht mehr so anziehend wirkt
oder weil der andere vielleicht bereits einen Schritt weiter ist.
Ein prüder Moralbegriff hat vielen Menschen
in der Jugend die Sexualität verboten,
und dann kommt die Frustration, und dann kommen die
Wechseljahre,
dann kommt das Alter,
und sie spüren, daß die Attraktivität nachläßt,
daß die Kräfte nachlassen,
und dann entsteht dieser Typus von Mann, den man »dirty old man«
nennt,
»schmutziger alter Mann«,
ein Mann, der voller unerfüllter Wünsche steckt, voller Träume,
ein Mann, der heimlich junge Mädchen beobachtet.

Und es gibt zunehmend Frauen, die so werden.
Je mehr Frauen
mit der Sexualität nach den Konventionen unserer Zeit umgehen,
um so ähnlicher werden sie den Männern,
und sie machen die gleichen Fehler wie die Männer.
Und Du siehst hier und da »dirty old women«,
Frauen, die jungen Männern hinterherstarren.

Ich sage nicht, dies ist schlecht.
Ich sage nur, Du kannst jetzt noch dafür sorgen,
daß Du zu einem würdigen,
reifen
Menschen wirst.

Denn der Mensch hat andere Betätigungsfelder
als ausgerechnet Sexualität.

Und ich würde nicht so sprechen, wenn ich nicht aus Erfahrung wüßte,
daß Menschen plötzlich, wenn man ihnen die Freiheit gibt,
so zu sein, wie sie sind,
und sich nicht nach den Normen unserer Gesellschaft zu verhalten,
daß sie plötzlich auch Sexualität
sein lassen können,
daß sie sogar aufatmen, daß sie ganz froh sind,
daß im Grunde nichts von ihnen erwartet wird.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen miteinander ins Bett
gehen,
nur weil sie beide dem »guten Ton« folgen,
weil sie beide der Norm der Gesellschaft genügen wollen,
weil sie beide nur das nachvollziehen,
was ihnen von der Werbung und von den Medien suggeriert wird.

Die meisten Menschen bekommen ein gesundes Verhältnis zur Sexualität,
wenn sie sich erlauben, frei mit dieser Sexualität zu fließen.

Werner Erhard hat seine Lehre über Sexualität
scherzhaft in einem Satz zusammengefaßt:
»Wenn Du Lust hast, hast du Lust,
und wenn Du keine Lust hast, hast Du keine Lust.«
Und darin steckt eine tiefe Wahrheit:
Wenn Du Lust hast,
hast du Lust.
Habe sie, akzeptiere sie,
fühle sie!
Und wenn Du keine hast, akzeptiere es ebenfalls,
fühle das, was Du dann fühlst.

und Werner Erhard sagt nicht:
»Wenn Du Lust hast, tu's!«

Du mußt es nicht tun.
Du kannst plötzlich Lust auf ein Stück Erdbeertorte bekommen,
einfach so,
weil Du es irgendwo gesehen hast oder gerochen hast.
Aber wer sagt, daß Du sofort ein Stück Erdbeertorte essen mußt?
Laß doch das Stück Erdbeertorte einfach dasein.
Freu Dich an der Vorstellung, an seinem Anblick,
und vergiß es, wenn die Vorstellung verschwindet.

Wenn Du sexuelle Lust verspürst
und sie so akzeptierst, wie sie ist,
mußt Du nichts tun.

Es mag sein, daß Du programmiert bist,
immer weiter dieser Lust zu folgen.
Aber es kann ein Gedankentrip sein, etwas, was nur in Deinem Kopf
ist.
Manchmal kommt die Lust,
und dann tust Du etwas, und sie vergeht wieder.
Es kann Dir passieren, daß Du ein Stück Erdbeertorte siehst
oder daran denkst und Lust darauf hast, und dann steht es vor Dir,
und Du spürst, daß Du gar keinen Hunger mehr hast.
Aber die meisten Menschen können nicht haltmachen,
können nicht innehalten,
können nicht einfach sagen:
»Der Gedanke war schon gut genug, war schon lustvoll genug.«
Solche Menschen haben einen Handlungsablauf in Bewegung gesetzt,
den sie nicht mehr bremsen können:
Wie automatisch wandert die Kuchengabel zum Kuchen und in den
Mund,
und es ist unmöglich, diesen Handlungsablauf zu unterbrechen,
Du kaust und mußt schlucken,
und wir sind so erzogen,
wir sind so programmiert.
Aber ich sage Dir: Es ist möglich,
jeden Handlungsablauf zu unterbrechen.
Und wenn Du einen Handlungsablauf unterbrichst, geschieht ein
Wunder,
und es kann sein, was es will,
es mag etwas ganz Banales sein.
Es mag sein, daß Du zum Waschbecken gehst, um Dir die Hände zu
waschen,
und Du drehst den Wasserhahn auf und hältst eine Hand unter Wasser,
und dann ...
halte inne,
und das Wunder geschieht.

Versuche es doch jetzt einmal!
Man kann das Lesen mitten in einem Wort unterbrechen.

Wenn Du es schaffst innezuhalten,
bist Du plötzlich da,
wachst Du plötzlich auf,
weißt Du plötzlich, wer Du bist.
Du schaust in den Spiegel und siehst Dich selbst,
und Du siehst, wer da ist.
Im normalen Leben ist Dein Tageslauf eine ununterbrochene Folge
von automatischen Handlungsabläufen,
und Du brauchst nicht aufzuwachen,
es ist, als ob Du Auto fährst,
es geht automatisch,
nachdem Du einmal gelernt hast zu fahren.
Und dies war mit Schwierigkeiten verbunden, so wie das
»Händewaschen-Lernen« mit Schwierigkeiten verbunden war.
Aber dann wird es automatisch,
und alle Handlungsabläufe in Deinem Leben werden irgendwann
automatisch.
Und Du kennst es vom Autofahren:
Du fährst irgendwohin,
und Du kannst Dich auf etwas anderes konzentrieren,
Du kannst Dich unterhalten, kannst Radio hören,
und plötzlich bist du da, wo Du hin wolltest.
Dein Körper hat es automatisch vollzogen.

Genauso läuft das Leben der meisten Menschen ab - pausenlos.

Sie stehen auf, putzen sich die Zähne, waschen sich,
ziehen sich an, gehen zur Arbeit,
arbeiten, gehen zur Mittagspause, gehen arbeiten, machen Pause,
gehen nach Hause, lesen die Zeitung, sehen fern, trinken Bier, essen Erdnüsse,
gehen ins Bett und machen Liebe.
Und alles das, ohne auch nur eine einzige Sekunde wirklich wach zu sein.
Denn wenn sie wach wären, dann würden sie sehen,
wie lächerlich dies alles ist.
Sie würden lachen und beginnen, sich mit dem Wesentlichen zu
beschäftigen.

Aber wenn Du nur einen Moment lang
diesen automatischen Ablauf unterbrichst,
wachst Du auf, und das Leben
zeigt sich Dir plötzlich in seiner ganzen Klarheit.

Und es ist interessant, daß manche Menschen,
wenn sie nicht selbst aufwachen,
aufgeweckt werden durchs Schicksal.

Und Du gehörst vielleicht zu denen, die aufgeweckt worden sind,
so - sei dankbar.
Plötzlich weißt Du, was das Leben ist,
du weißt plötzlich alles über das Leben,
über seine Zerbrechlichkeit,
über seinen Wert,
über seine Möglichkeiten,
und über die Möglichkeiten, es zu verschwenden.
Gott hat uns die Möglichkeit gegeben, das Leben zu nutzen,
aber ebenso die Möglichkeit, es zu verschwenden.

Das Tier hat keine Möglichkeit zu wählen,
das Tier nutzt auf eine gewisse Weise sein Leben,
aber es kann nicht aus diesem Raster ausbrechen,
es kann nur seinen Instinkten folgen,
es kann nicht plötzlich eine andere Entscheidung fällen.
Alle Entscheidungen, die es fällen kann, sind im Rahmen
seiner fest angelegten Möglichkeiten.
Du kannst das Verhalten eines Tieres recht genau voraussagen.

Aber der Mensch kann die angelegten Möglichkeiten verlassen,
er kann plötzlich etwas völlig anderes tun,
er kann etwas tun, was gegen sein eigenes Wesen verstößt,
was gegen die Natur verstößt.

(Nicht, daß es der Natur etwas ausmacht,
selbst wenn diese Erde vernichtet würde, die Natur akzeptiert es,
das Universum akzeptiert es.
Selbst wenn dieses ganze Sonnensystem vernichtet wird,
das Universum akzeptiert es,
das Universum würde seine eigene Vernichtung akzeptieren.)

Und in dieser Freiheit liegt auch der Segen des Menschseins,
Du kannst sie positiv benutzen:
für mehr Bewußtheit, mehr Liebe, mehr Kreativität, mehr Lebens-qualität.

Du kannst zu einem bewußten Wesen werden,
und wenn Du bewußt bist, kannst Du jeden Handlungsablauf
dann unterbrechen, wenn es richtig ist, wenn es sich gut anfühlt,
und dann bleibst Du bewußt.

Es gibt eine alte indische Methode, um »high« zu werden,
und diese Methode beruht darauf, daß man sexuelle Handlungsabläufe
unterbricht,
weil die Energie, die durch Sexualität kreiert wird,
verwandelt werden kann in etwas anderes.
Es handelt sich bei der Sexualität nicht um eine spezielle Energie;
alle Kräfte im Menschen, alle Gefühle im Menschen sind letzten Endes
Ausdrucksform einer einzigen Energie:
der Lebensenergie.
Ein toter Gegenstand kann keine Liebe empfinden und kann keinen
Haß empfinden,
keine Trauer und keinen Zorn,
keine Fröhlichkeit und keine Traurigkeit.

So - es ist Deine Lebensenergie, die durch diese Gefühle repräsentiert
wird,
und im Kern ist jede Art von Energie
von der gleichen Qualität.
Du kannst Elektrizität benutzen,
um einen Computer zu betreiben, aber Du kannst sie auch benutzen,
um Staub zu saugen.
Du kannst sie sogar benutzen, um eine Batterie aufzuladen,
ein völlig anderer Vorgang, nichts bewegt sich.
Du kannst sie benutzen, um einen Druck zu erhöhen.
Du kannst Elektrizität benutzen,
um völlig gegensätzliche Dinge auszuführen:
Du kannst ein Vakuum erzeugen,
und Du kannst einen Überdruck erzeugen.

Aber die Elektrizität als ursprüngliche Kraft
ist immer die gleiche.
Nur die Art, wie sie sich äußert, ist unterschiedlich.
Und erinnere Dich daran, man kann jede Energieform in
jede andere Energieform überführen.

Die Tantra-Yogis erzeugen einen Druck aus sexueller Energie,
und dann unterbrechen sie den Vorgang und machen sich bewußt,
was dort für eine Energie herrscht,
und spüren diese Energie im Körper, und es ist interessant:
Wenn Du wirklich in Deinen Körper hineinfühlst, unterscheidet sich
sexuelle Energie plötzlich nicht mehr von
Zorn,
dann unterscheidet sich Haß nicht mehr von Liebe.
Wenn Du nur spürst, was in Deinem Körper
sich wie anfühlt, stellst Du fest, daß alle Energien
sich gleich anfühlen.
Das einzige, worin sie sich unterscheiden,
ist die Bahn,
die sie sich suchen.
 

So - ein innerer Überdruck kann sich über den Kehlkopf
im Schreien, im lauten Sprechen, im Schimpfen
entladen,
kann sich über Sexualität entladen,
kann sich aber auch über die Arme und Hände entladen:
Menschen, die wütend sind, gehen manchmal Holz hacken.
Und es ist nur eine Frage Deiner persönlichen Programmierung
und Deiner augenblicklichen Programmierung, wie Du
der Energie, die Du spürst,
Bahn brichst.
Und es ist auf jeden Fall gut, Energie fließen zu lassen,
sonst zerstört Dich der Überdruck von innen.
Wenn Du sie nicht fließen läßt,
sucht sich der Körper eine andere Möglichkeit,
sie loszuwerden,
und es kann sein, daß diese Möglichkeit Deinen Körper schädigt.
Das ist es, was passiert, wenn Menschen
Magengeschwüre bekommen,
Migräne,
wenn sich irgend etwas verkrampft.

So - Du sollst der Energie eine Bahn eröffnen,
aber es ist Dir überlassen,
wo Du diese Bahn sein läßt, wie Du diese Bahn eröffnest,
welche Bahn Du eröffnest.
Und es gibt zum Beispiel Computerfreaks, die feststellen,
daß sie keinerlei sexuelle Bedürfnisse mehr haben.
So - die Energie dieser Menschen bricht sich Bahn
in der Arbeit mit dem Computer,
und dann ist nichts mehr übrig für die Sexualität.

Natürlich hat es keinen Sinn, einem Menschen zu raten,
sich mit Computern, statt mit Sexualität zu beschäftigen,
wenn er einen Genuß aus der Sexualität zieht.
Aber hast Du schon alle Wege ausprobiert?
Hast Du schon ausprobiert, ob nicht etwas anderes
Dir viel mehr Lust bereitet
als Sexualität?
Sexualität ist ein sehr schöner Weg, ein sehr natürlicher Weg,
aber er hinterläßt nichts Bleibendes.
Frage einen Künstler,
frage einen Bildhauer,
welche Lust es bereitet, etwas zu schöpfen, etwas zu schaffen,
und stelle einen solchen Menschen vor die Wahl,
wenn er zu wählen hätte, ich bin sicher, er würde die Kunst wählen
oder die Musik,
weil das sexuelle Vergnügen nichts Bleibendes ist,
eine schöne Sache, aber nichts von Dauer,
in einer gewissen Weise eine Verschwendung von Lebenskraft.

Sexuelle Energie war vorgesehen von der Natur, um
den Erhalt der menschlichen Rasse zu sichern,
und von daher ist es eine schöpferische Kraft,
aber Sexualität nur um der Lust willen,
der augenblicklichen Befriedigung willen,
oder gar nur um einer Spannungsabfuhr willen,
ist in einer gewissen Weise eine Verschwendung von göttlicher Kraft,
die man auf andere Weise positiver,
kreativer,
schöpferischer
einsetzen kann.
Vielleicht hast Du ein Signal bekommen, daß es Zeit für Dich ist,
Dir hierüber zumindest Gedanken zu machen.

Ich möchte Dich nicht umprogrammieren oder beeinflussen
indem ich sage, Du sollst nicht das tun, was Du bisher getan hast,
und Du sollst jetzt das tun, was ich sage, nein,
ich versuche nur, Dich bewußter zu machen
und Dich zu veranlassen, Dich selbst zu beobachten:
was Du tust, wie Du es tust, wann Du es tust,
und vielleicht herauszufinden, daß irgend etwas in Dir
angesprochen wird durch meine Gedanken, durch meine Vorstellungen,
daß ich Dir mit anderen Worten »aus der Seele spreche«.

Wenn Du verstehst, daß vieles, was Du bisher gedacht hast,
einfach nur das innerliche Nachplappern von fremden Anschauungen ist,
kannst Du frei werden.

Sex ist »in«,
so - was ich sage, gilt als unmodern.
Aber die Wahrheit richtet sich nicht nach Mode und Interessengruppen.
Bei den jungen Leuten ist die Liebe wieder »in«.
Erkenne, wo Du einer Strömung folgst und wo Du echt bist.

Viele Menschen sind nach meiner Erfahrung plötzlich erleichtert,
wenn sie verstehen, daß es keinen Zwang zu irgend etwas gibt,
keine Konvention, der man zu folgen hat,
daß es nicht das Gebot der Höflichkeit ist,
zum Beispiel zu einer bestimmten Zeit,
bei einer bestimmten Gelegenheit etwas Sexuelles zu tun.
Du kannst Dich an Dein eigenes Drehbuch halten.

Wie oft hast Du es schon erlebt, daß Du
mit jemandem aus irgendeinem Grund,
sei es ein wirklich sexueller Grund oder ein anderer Grund,
ins Bett gegangen bist, und dann warst Du »auf dieser Schiene«?
Und dann konntest Du nicht mehr aufhören,
obwohl Du eigentlich müde warst,
obwohl Du eigentlich dachtest: Dies ist doch nicht der richtige Partner,
obwohl Dir plötzlich etwas anderes in den Sinn kam,
aber Du hattest einmal angefangen und Du
agiertest weiter oder Du ließt es geschehen.

Sexualität ist etwas Schönes, und Du sollst Sexualität ausleben,
aber noch viel schöner ist es,
einfach seinem Gefühl zu folgen,
seiner Natur zu folgen, die Energie frei fließen zu lassen
oder die Energie zu fühlen
und in etwas anderes zu verwandeln.

Es ist wahr:
Du kannst Dich berauschen
an Sexualität,
viel dauerhafter, mit viel weniger Anstrengung,
mit viel weniger Aufwand,
wenn Du ihr erlaubst, sich eine andere, natürliche Bahn zu suchen.

Es gibt viele Menschen, die diese Erfahrung bewußt
oder unbewußt gemacht haben:
Die Euphorie, wenn man sich ineinander verliebt,
aber nicht miteinander schläft, beruht auf diesem Effekt.
Du dachtest vielleicht, es sei eine Frustration dabei,
etwas Unerfülltes, ein Drängen, das nicht erlaubt war,
aber wenn Du zurückdenkst, wenn Du Dich zurückerinnerst,
dann weißt Du, daß diese Zeit eine besonders intensive Qualität hatte.

Warum?
Weil Dein Energieniveau höher war.
Du schriebst vielleicht Gedichte,
Du fingst vielleicht an zu malen,
vielleicht hast Du gepfiffen oder gesungen, oder Du bist gehüpft,
oder Du hast plötzlich Farben empfunden,
Du bist durch herbstliche Straßen gegangen und hast
das Fallen der Blätter genossen oder hast den Regen genossen.

Nachdem Du Dich verabschiedet hast,
bist du fröhlich gewesen, irgendwie fröhlich,
und Du hast Dich vielleicht gefragt, warum eigentlich?
Und dann hast Du gelacht und hast es einfach genossen,
Du bist noch irgendwo hingegangen,
hast vor einem Fenster gestanden, bist in eine Kneipe gegangen,
und irgendwie war die Welt verzaubert ...

Und vielleicht ist es heute anders,
vielleicht ist es heute so, daß Du glaubst,
das tun zu müssen, was Du tust oder getan hast,
und daß Du Dich hinterher einfach ausgepumpt fühlst und frustriert.

Warum ist es nicht mehr so, wie es früher war?
Weil Du alten,
oder fremden,
oder unnötigen Programmen folgst.

Und es kann sein, daß Du in Deiner augenblicklichen Situation
ein Bedürfnis hast,
vielleicht gar nicht nach Sexualität,
vielleicht nach Zärtlichkeit,
und daß Du glaubst, niemanden zu finden,
aber Du mußt nur Deine Einstellung ändern,
und die Wahrscheinlichkeit,
daß sich etwas ändert, nimmt zu.

Ein Mensch, der sich zurückzieht und mit seinem Schicksal hadert
und traurig ist und glaubt:
»Ich bin allein, ich finde niemanden mehr«,
der wird natürlich auch eine entsprechende Ausstrahlung bekommen,
so daß niemand mit diesem Menschen etwas zu tun haben möchte,
Du kennst solche Leute,
möchtest Du mit ihnen etwas zu tun haben?
Es gibt viele, die genauso sind wie Du,
die in der gleichen Lage sind,
warum schließt Du Dich nicht mit ihnen zusammen?
Aber nein:
Gerade mit solchen Leuten möchtest Du auf keinen Fall zusammensein.

Mach Dir klar, daß Du nicht wirklich mit anderen sein willst,
solange Du so bist, wie Du bist,
mach Dir klar, daß Du Dich vielleicht doch absichtlich abkapselst,
und dann hast Du zwei Möglichkeiten:
dieses Alleinsein zu genießen, es ist Deine Freiheit,
oder es zu ändern.
Was mußt Du tun, um für andere attraktiv zu sein?
Was mußt Du tun, um Dich unter Menschen wohl zu fühlen,
so daß sie sich mit Dir wohlfühlen?

Und Du kannst damit anfangen,
Dir das Erwünschte vorzustellen:

Stell Dir vor, daß jemand auf Dich zukommt und Dich so akzeptiert,
wie Du bist.
Stell Dir vor, daß jemand Dich streichelt,
daß jemand Dich anfaßt,
stell Dir vor, wie der Betreffende aussieht,
wie die Betreffende aussieht,
stell Dir vor, was Ihr zusammen tun könnt,
mach Dir bewegte Vorstellungen,
stell es Dir bildlich vor,
stell es Dir so intensiv wie möglich vor
und aktiviere diese Vorstellungen immer und immer wieder,
und Du wirst erstaunt sein, daß Du genau das bekommst, was du suchst,
ich garantiere Dir dafür.

Die Intensität solcher Vorstellungen,
die Kraft solcher Vorstellungen kann sehr stark werden,
so stark, daß Du irgendwann aufpassen mußt, was Du Dir vorstellst.
Ich habe es schon erlebt, daß plötzlich etwas in meinem Besitz war,
was ich gar nicht wirklich wollte,
was ich mir nur intensiv vorgestellt hatte,
fast schon aus Gewohnheit.

Und jede negative Vorstellung kann die Erinnerung sein,
was Du Positives imaginieren wolltest.
Das scheinbar Negative im Leben ist dazu da,
um das Positive zu kreieren.
Der Stein, der Dich unter Deiner Fußsohle piekst, ist dazu da,
um die Straße zu erfinden,
der Stein, der dem Regenwurm im Weg ist, ist dazu da,
ihn flexibler zu machen und um diesen Stein herumzukriechen.

Das ganze Leben hat sich nur entwickelt aufgrund des scheinbar Negativen,
der Widerstände,
der Herausforderungen.
Jegliche menschliche Erfindung ist nur gemacht worden,
weil da »etwas im Weg war«.

Widerstand erzeugt Kreativität.

Warum ist die Schöpfung nicht mit den Bakterien,
mit den Viren stehengeblieben?
Weil da Widerstände waren.
Plötzlich gab es etwas, was die Viren vernichtet.
Und das Leben hat sich weiterentwickelt, hat sich spezialisiert,
und es ist ein Gesetz des Lebens,
daß etwas gefunden wird gegen Viren,
aber es ist auch ein Gesetz des Lebens,
daß die Viren etwas Neues finden, daß sie sich weiterentwickeln
und daß sie wiederum eine Herausforderung für andere Lebewesen sind;
dieses ganze Universum ist eine Verflechtung von Wechselwirkungen,
und manche Dinge schaukeln sich gegenseitig auf.

Ein Sturm kommt, und das Haus wird abgedeckt.
Ein Mensch erfindet etwas, was das Dach festhält,
und ein Feuer kommt, und das Dach verbrennt,
und ein Mensch erfindet etwas, was das Dach feuerfest macht.

Dieses ganze System, auf dem diese ganze Welt beruht,
ist ein ständiges ineinander vernetztes,
verschachteltes Wechselspiel von Kräften.
Und es gibt keine positiven oder negativen Kräfte,
oder ist es negativ, daß man Dächer irgendwann aus gebranntem Ton
hergestellt hat,
daß man Fachwerk erfand,
daß man Eisen erfand,
daß man Räder erfand,
daß man Kleider erfand?
Kleider sind nicht nur etwas Nützliches, sondern auch etwas Schönes.
Aber warum wurden Kleider überhaupt geschaffen?
Weil der Mensch fror,
weil er Probleme hatte mit der Kälte, mit dem Regen,
mit dem Schnee.
Alles sogenannte Negative hat letzten Endes Kreativität in Bewegung
gesetzt,
das scheinbar Negative hat das Positive erschaffen.

Und Du kannst alles in Deinem Leben
benutzen, um Dich weiterzuentwickeln.
Jeder negative Gedanke kann der Wecker sein
für eine positive Vorstellung.
Jeder Fehler, den Du machst, kann die Erinnerung sein,
muß die Erinnerung sein
an das, was Du für richtig hältst.
Jede Frustration, die Du erlebst,
kann der Kick sein, den Du bekommst,
um kreativer zu werden,
um Alternativen zu finden,
um neue Wege zu gehen, um etwas Neues auszuprobieren.
So - benutze diese scheinbar negativen Dinge, um das Positive zu
schaffen,
werde lebendig,
werde natürlich,
werde zur lebendigen Natur,
mach es wie die Natur.

Natürlich sein heißt,
wieder zu werden wie die Natur, so kreativ, so ideenreich,
so erfindungsreich, so schöpferisch.
Und mach Dich unabhängig von sämtlichen Programmierungen,
mach Dich unabhängig von dem,
was andere Dir vorschreiben wollen,
was andere Dir aufdrängen,
was die Sitte Dir empfiehlt, die Moral, die Höflichkeit,
»das gesunde Volksempfinden«.
All dies ist Nonsens.

Sexualität wird als Mittel benutzt, Dich zu mißbrauchen,
Dich zu verleiten, etwas zu kaufen, was Du nicht brauchst,
Dich zu verleiten, etwas zu lesen, was Du nicht lesen willst,
etwas anzuschauen, was Du eigentlich nicht anschauen willst.
Sexualität hat in unserer Gesellschaft fast die Funktion
der Religion übernommen, des »Opiums für's Volk«.
Früher hielten die Priester den Finger erhoben und sagten:
»Du wirst in der Hölle braten, wenn Du dies oder jenes nicht tust!«
»Die Seele in den Himmel springt, wenn der Taler im Kasten klingt.«
So - man hat Dich damals auf ziemlich primitive Weise manipuliert.

Heute ist man etwas intelligenter geworden, man droht nicht mehr,
man lockt, man verspricht Dir angenehme Gefühle,
sexuelle Gefühle, Lust, Orgasmus,
wenn Du ein bestimmtes Eis leckst, ein bestimmtes Waschmittel
benutzt,
Dir die Zähne mit einer bestimmten Zahnpasta putzt.

Man verleitet Dich, ein teures Auto zu kaufen,
wo es ein billiges getan hätte.
Die Priester von heute sind die Medien,
ist die Werbung, sind die Werbestrategen, die Produktmanager.
Heutzutage wird nicht mehr produziert, um ein Bedürfnis zu
befriedigen,
sondern es wird produziert, um ein Bedürfnis zu wecken.
Die Bosse der Industrie sind allen Ernstes damit beschäftigt,
etwas zu suchen, was Du noch nicht hast und was Du auch nicht
brauchst,
sonst hättest Du längst danach gefragt.

Sie sind ständig damit beschäftigt, etwas zu suchen,
was sie Dir verkaufen können
und wonach sie natürlich erst das Bedürfnis wecken müssen.
Und Bedürfnisse weckt man, indem man Vorstellungen erzeugt,
indem man den Menschen dazu bringt, sich schon vorzustellen,
daß er dieses Produkt benutzt,
und dann hast Du die Vorstellung:
Wenn ich einen solchen Stift unterm Arm verreibe,
dann wird man mich umarmen,
dann wird man mich streicheln,
dann wird das andere Geschlecht auf mich fliegen.

Und wenn Du dieses Produkt gekauft hast, wer fragt danach,
ob etwas davon eintrifft,
ob Du es überhaupt benutzt oder ob es irgendwo
in einer Schublade verschimmelt?
Wieviel unbenutzte Dinge besitzt Du,
wieviele Dinge brauchst du überhaupt?
Was brauchst Du überhaupt?

Was schafft Dir wirklich Genuß, wie lange hält der Genuß?

Die Priester von heute, die aus eigensüchtigen Motiven heraus sagen,
was Du zu tun und zu lassen hast,
sind die Zeitungen, ist das Fernsehen, ist das Kino,
und alle werben sie überwiegend mit Sexualität.
Und die Rechnung geht auf, die Menschen lesen diese Zeitungen,
schalten diese Programme ein und bleiben unbefriedigt,
aber sie haben immer wieder Hoffnung,
bis irgendwann auch der Dümmste merkt,
daß die Hoffnung sich nicht erfüllt,
aber dann mag es zu spät sein, dann bist Du bereits genügend
abgestumpft,
dann ist der Mensch schon genügend verdummt,
um nur noch zu schimpfen auf das böse Fernsehen,
auf die dummen Zeitungen, die immer wieder den selben Käse schreiben,
aber trotzdem hast Du die Gewohnheit angenommen,
kannst sie nicht mehr ablegen,
und irgendwo im Hinterkopf denkst Du immer noch,
irgendwann erfüllt sich der Traum,
aber der Traum erfüllt sich nie, weil die Versprechungen
von Anfang an faul waren.

Nur das Leben selbst kann Dir Genuß schenken,
kann Dir Priester sein,
kann Dir die Vorstellungen vermitteln, die Dir wirklich Genuß bereiten,
und zwar einen Genuß ohne Reue,
und wenn Du wirklich offen bist,
und Du gehst durch die Natur, dann siehst Du vielleicht,
daß die Natur eine natürliche Erotik hat,
nicht die Erotik der Fotos von prallen Ärschen
und kurzen Röcke und dicken Busen.

Wenn Du eine schöne Landschaft betrachtest,
sanfte Hügel oder wogende Kornfelder
oder das Fliegen von Wattebällchen oder kleinen Fallschirmen
oder das Segeln von Ahornsamen,
wenn Du ein Tier beobachtest,
wenn Du eine Katze streichelst,
wenn Du ein Meerschweinchen im Arm hältst,
wenn Du feuchte, dampfende Erde siehst
oder Schlamm zwischen Deinen nackten Zehen hindurchquellen läßt,
wenn Du nackt in einem einsamen See badest
und dem Wasser erlaubst, Deine Haut zu umschmeicheln,
wenn Du die Augen schließt und die Wärme der Sonne
in Deine Haut eindringen läßt,
wenn Du durchs Watt wanderst und den Wind auf Deiner Haut spürst,
wenn Du im Flugzeug sitzt und über den Wolken dahingleitest,
wenn Du im Sommer auf einer Waldwiese liegst
und am Himmel die weißen Wölkchen vorbeiziehen siehst,
wenn Du im Wald die Vögel zwitschern hörst
und die Wipfel der Tannen leise rauschen,
wenn Du in Deinen Körper hineinspürst, wie sich die Säfte in Dir bewegen,
wie es in Dir strömt, wie es in Deinem Ohr rauscht ...

all dies ist in einer gewissen Weise erotisch.
Tatsache ist, daß Erotik aus diesen Vorstellungen entstanden ist,
aber dann wurde sie wie so vieles verfälscht,
so daß man den wahren Ursprung nicht mehr erkennt.
Wenn Dich der Zweig eines Busches am Arm streift
oder das Gras Deine nackten Beine streichelt,
dies ist Erotik, und diese Art von Erotik
kannst Du genießen,
und diese Art von Erotik hat eine essentielle Qualität,
sie hat etwas, das Dich nicht enttäuscht.
Die Erotik, die Du in Zeitungen oder
in pornografischen Büchern vorgesetzt bekommst,
ist eine Erotik, die nicht das hält, was sie verspricht,
sie macht Dir Lust auf etwas,
aber Du kannst es nicht ausleben;
wirkliche Lust muß fließen,
und Lust fließt nur,
wenn sie auch gestillt wird.

Wenn Du die Blüten anschaust, die Schmetterlinge,
das zarte Gefieder der Vögel, das Schnäbeln der Enten,
das Umherspringen der Hunde,
dies ist wirklich befriedigende zärtliche,
natürliche Erotik.
Und wenn Du menschliche Körperformen in dieser Weise ansehen kannst,
wenn Du sie nicht herauslöst aus der Natur,
indem Du sie fotografiert, wie Etiketten auf Produkte klebst,
dann gehören sie natürlich zu dieser essentiellen Erotik dazu.

Aber es kann sein, daß Du Dich augenblicklich in einer Position
befindest,
in der Du dies nur in Deiner Phantasie erleben kannst,
aber ist nicht die Vorstellung fast noch stärker als die Realität?
Du kannst Deine Vorstellung genauso genießen,
als ob es Realität wäre,
weil es eine natürliche Vorstellung ist,

Vorstellungen lösen in Deinem Körper synchrone Prozesse aus.
Und es kann sein, daß Du in diesem Moment in Dir
diese Vorstellungen entdeckst,
umsetzt in Körpergefühle,
es kann sein, daß Du spürst,
wie ein Wogen durch Dich hindurchgeht,
so wie das Wogen eines Kornfeldes.
Es kann sein, daß Du etwas in Dir spürst wie das Vibrieren von
Blättern,
es kann sein, daß Du etwas in Dir spürst,
was an einen satten Sommertag,
an einen leuchtenden, warmen Sommertag erinnert,
und an Summen von Bienen,
es kann auch sein, daß irgend etwas in Dir
Dich an den Herbst erinnert,
an die Nebel, die aus den Wiesen steigen,
aus den Flüssen steigen,
an das Rascheln der Blätter,
an die leuchtenden Farben der Blätter,
und es kann auch sein, daß irgend etwas in Dir
sich an einen Wintertag erinnert,
an das Glitzern der Schneekristalle,
an die Farben,
an die flirrenden Pünktchen am Horizont
oder an das Wehen des Windes über die endlosen,
schneebedeckten Gipfel.

Was auch immer Du fühlst, ist real, passiert jetzt,
kann genossen werden in diesem Moment,
und es gibt keinen Grund,
an irgend etwas anderes zu denken,
zumindest für einige Zeit.

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Entdecke Deine schöpferische Kraft

Du hast vielleicht bemerkt, wie Du besonders im letzten Teil des Textes »Sexualität« beeinflußt wirst. Und zwar ist es nicht wirklich der Text selbst, sondern es sind die Bilder, die Phantasien, die Vorstellungen, die Du in Dir schon hast, die dies tun. Der Text ist nur ein Katalysator. Das ist natürlich nichts Neues; jede Art von Text beeinflußt uns auf diese Weise, allerdings, ohne daß es uns bewußt sein müßte.

Wenn Du einen Zeitungsartikel über einen Krieg liest, bildest Du einen Krieg in Dir ab, wenn Du einen Schlager über eine unglückliche Liebe hörst, bildest Du dies in Dir ab - die Frage ist nur, willst Du unterschiedslos alles in Dich hineinprojizieren, was zufälligerweise oder gezielt auf Dich einströmt? Es kann sein, daß das Negative, die Leiden unserer Zivilisation sich immer nur reproduzieren, weil wir uns mit negativen Gedanken füttern lassen. Wir sagen: »Die Realität ist doch so schlimm, wie kann ich dann etwas anderes denken?«

Laß doch die Realität, wie sie ist, sie ist sowieso, wie sie ist. Was glaubst Du, wozu der Mensch das Denken gelernt hat? Zum innerlich nachplappernden Beschreiben der Realität? Zum papageienhaften Wiederholen dessen, was sowieso geschieht?

 

Herr Posi und Herr Negi arbeiten beide in Büros, aus deren Fenster sie jeweils auf einen Hinterhof schauen. Beide Hinterhöfe sind alt, grau, schmutzig und vergammelt. Herr Negi blickt öfter von seiner Arbeit auf und ärgert sich über die Häßlichkeit, über die abgeblätterten Farben, über den Unrat, und das seit Jahren. Er hatte zwar schon einmal etwas vom positiven Denken gehört, aber wie kann er positiv denken, wenn er doch diese Häßlichkeit dauernd vor Augen hat? Da Herr Negi schon so lange auf diesen
Hinterhof schaut, sieht er selber auch ein bißchen so aus: Grau, faltig, verkniffen, die Linien in seinem Gesicht erinnern an die Risse in den Hauswänden, und auf seinem Schreibtisch sieht es fast so aus wie draußen: Unordentlich, schmierig, Ablagerungen von Jahrzehnten.

Herr Posi arbeitet ein paar Häuser weiter; als er bei seiner Firma anfing, sah der Hinterhof genauso aus wie eben fast alle Hinterhöfe. Herr Posi war zwar nicht unzufrieden - in den Flecken an den Wänden sah er interessante Gesichter, die Scheiben spiegelten gelegentlich einen Sonnenstrahl zu ihm hinüber, und die zerfallene Werkstatt dort unten regte ihn zum Erfinden von geheimnisvollen Geschichten an, aber irgendwie dachte er, ein bißchen mehr Blumen und Grün, etwas neue Farbe könne nicht schaden - es würde die Stimmung aufhellen. Er schaute also versonnen zum Fenster hinaus und stellte sich vor, daß man dort unten ein bißchen aufräumen würde, er legte im Geist kleine Wege an, stellte eine Bank auf, einen kleinen Tisch, er sah sich schon seine Mittagspause dort unten verbringen, mit den Leuten im Haus plaudern bei einer Tasse Kaffee, er malte sogar im Geist die alte Werkstatt an, mit Palmen, blauem Himmel, lustigen Äffchen ..., wie sehr erschrak er, als sein Chef plötzlich hinter ihm stand. »Was träumen Sie denn, Posi? Haben Sie nichts zu tun?«

»Chef, ich stelle mir grade vor, wie es dort unten aussehen könnte«, und er beschrieb seine Tagträume.

Der Chef schaute zum Fenster raus und nahm zum ersten Mal bewußt diesen Hinterhof wahr.

»Mensch Posi, das ist 'ne Idee, da könnten wir die alten Farben im Keller verwenden arbeiten und, und, und ...«

Und Posi fiel ein, daß ein Kollege seinen Schrebergarten räumen mußte und nicht wußte, wohin mit dem Gartenhäuschen, mit Bänken und Tischen, mit Hortensien und Pfingstrosen. Der Chef träumte schon davon, sich mit sei-
nen Kunden im verschönten Hof zu ergehen, und Posi gründete im Geist schon die »Bürgerinitiative Hinterhof«.

Man kann sich leicht vorstellen, wie schwierig es dann war, mit den Behörden zu verhandeln, die übrigen Anwohner zu motivieren, in der Freizeit Gerüste aufzustellen und den Unrat von Jahrzehnten zu beseitigen. Aber alle Anwohner schwärmen noch heute von der gemeinsamen Arbeit, von den Diskussionen, von den gemütlichen Abenden, sogar von den Schwierigkeiten mit dem alten Huber, der sich gerichtlich gegen das Projekt zu wehren versuchte, aber jetzt als Dauergast unten im Garten sitzt und auf ein Schwätzchen hofft. Und Herr Posi sitzt am Fenster und lächelt und strahlt, und sein Chef ist nicht mehr sein Chef, sondern sein Freund.

Ich gebe zu, diese Geschichte ist nicht die Regel, aber sie ist passiert, und es gibt mehr und mehr solcher Geschichten. Sie zeigt, daß man das Denken so oder so einsetzen kann. Positives Denken ist Phantasie, und Phantasie verändert die Welt. Es ist Deine Wahl, ob Du ein Nachplapperer fremder Realitäten sein willst oder ein schöpferischer Künstler Deiner persönlichen Realität.

Du kannst den folgenden Trance-Text lesen, Dir vorlesen lassen, laut lesen oder am besten sehr langsam auf ein Tonband sprechen, während Du eine schöne, ruhige einschmeichelnde Musik hörst. Und dann legst Du Dich in einer ruhigen Minute in einem ruhigen Zimmer nieder und überläßt es Deinem Unterbewußtsein, einen Prozeß der Kreativität und schöpferischen Kraft in Gang zu setzen. Du wirst vielleicht sehr erstaunt sein, was sich dadurch zunächst in Deiner Stimmung und nach und nach in Deinem ganzen Leben ändern wird!

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