Die Chance AIDS 5.Teil

Werde wieder wie ein Kind

In einer gewissen Weise mußt Du wieder werden wie ein Kind.
Ein Kind sieht,
akzeptiert,
handelt danach.
Kein Problem.
Ein Kind wird geboren ohne Arme
und akzeptiert total.

Ein Kind ohne Arme
ist genauso fröhlich wie jedes andere Kind,
die Eltern mögen traurig sein,
die anderen mögen traurig sein
oder peinlich berührt,
doch ein Kind nimmt das gar nicht wahr.

Ein Kind mag sogar wissen, daß es bald sterben wird,
und akzeptiert.
Kinder, die todkrank sind, trösten ihre Eltern!

Warum sind Kinder in dieser Hinsicht »vernünftiger« als Erwachsene?

Der Verstand des Kindes ist wie der leere Speicher eines Computers.
Und ein Computer akzeptiert jedes Programm, das Du ihm eingibst.
Es mag sein, daß das Programm nicht funktionieren wird,
aber er akzeptiert das Programm
und probiert es aus,
tut, was er kann.

Das Gehirn des Erwachsenen ist vollgestopft mit alten Programmen,
und viele von ihnen sind der veränderten Situation nicht mehr
angepaßt.

Aber anstatt das alte Programm durch ein neues zu ersetzen,
versucht der Erwachsene, sein altes Programm ablaufen zu lassen,
aber das alte Programm stammt aus einer anderen Zeit,
aus einer anderen Realität,
es hakt an allen Ecken und Enden.

Eltern zum Beispiel haben bestimmte Programme,
ihre Kinder zu behandeln,
aber die Kinder werden erwachsen,
und die Eltern behalten ihre alten Sprüche bei,
ihre alten Verhaltensweisen,
und merken gar nicht, daß sie es längst mit ihresgleichen zu tun haben.

Anstatt zu versuchen, ein altes Programm anzupassen,
ist es meistens besser, den Speicher zu löschen,
das Programm zu löschen und ein neues Programm zu schaffen.

Und da es nicht so leicht ist für den Verstand,
ein neues Programm zu schaffen,
da dieser Verstand ja gerade durch die alten Programme lebt,
müssen wir auf die Kraft der Meditation vertrauen,
auf die Kraft der Natur ...
Die Natur schafft dauernd neue Programme.

Erlaube die Kraft der Natur in Dir,
erlaube die Energie natürlicher Kreativität.
Erlaube, daß Dein »Programmspeicher« leer wird.
Und erlaube, daß sich dort neue
Programme bilden können,
kreative Programme,
Programme, die die neuen Realitäten mit einbeziehen,
und dies kann ganz von alleine geschehen.

Und es gibt Menschen, die dies bereits tun,
die längst dabei sind, neue Ideen zu produzieren,
die längst dabei sind,
mit den veränderten Verhältnissen auf intelligente Weise umzugehen.

In der Meditation
kannst Du wieder werden wie ein Kind,
unberührt
in Deiner Reinheit,
was auch immer geschieht.

Du kannst Dich an eine Zeit erinnern,
als Du so offen warst,
so schön.

Du kannst das Leben wieder so genießen
wie ein Kind,
ganz gleich, was geschieht.
Kinder genießen alles,
Kinder können alles anschauen,
sie beurteilen nicht,
sie verurteilen nicht.

Wenn Du in die Augen der Kinder schaust,
siehst Du dieses glasklare,
reine,
unverdorbene,
offene Licht.

Und durch diese gläserne Reinheit
können Gefühle nach außen dringen,
die Liebe zu allem,
was existiert.
Und umgekehrt
kann dieses Gefühl
auch in das Kind eindringen.

Und dies überträgt sich auf andere,
dies kann Menschen verwandeln.
Hast Du schon einmal die Gesichter der Erwachsenen gesehen,
wenn sie in einen Kinderwagen schauen?
Sie werden weich wie Wachs
im Angesicht eines kleinen Kindes.

Das Unreine wird rein
in Gegenwart des Reinen.
Die Schönheit
und Klarheit
verändert die Menschen.

Und Du kannst werden wie ein Kind.

Ich sage nicht, daß Du Deinen Verstand nicht mehr gebrauchen sollst -
Tatsache ist,
daß der Verstand überhaupt erst richtig funktionieren kann,
wenn Du wieder wie ein Kind bist.
Zu einer vernünftigen Arbeit braucht man Platz,
ein Computer braucht freien Speicherplatz,
Dein Verstand braucht freie Gehirnkapazität,
um sich entfalten zu können,
er braucht »Spiel-raum«,
er braucht einen innerlichen Abenteuerspielplatz.

Denn wenn Du ganz klar und offen bist,
dann nimmst Du die Welt auch klar und offen wahr,
und der Verstand gehört der Welt an.
Und Du nimmst dann auch ihn
klar und offen
wahr.

Und wenn Du beginnst, die Welt wirklich zu sehen,
dann siehst Du auch plötzlich
all Deine Gedanken.
Und dann erst
kannst Du beginnen
wirklich bewußt zu denken,
erst dann kannst Du bestimmen,
was Du denken willst.

Du bist kein Automat mehr, der unbewußt reagiert,
sondern Du beginnst
verantwortlich zu sein,
selbst Ursache zu werden.

Du kannst dann offen auf jede Situation
in angemessener Weise reagieren,
in einer Weise,
die Dich Deinem erwünschten Ziel näherbringt.
Und Du bist in einer gewissen Weise unverletzlich geworden,
denn Du bietest keine Angriffsflächen mehr,
die Gefühle der anderen
gehen durch Dich hindurch.

Viel von dem, was Du im normalen Leben zu fühlen glaubst,
sind in Wirklichkeit die Gefühle der anderen.

Ein Mensch beschuldigt Dich,
aber Du hast es nicht getan,
dessen er Dich beschuldigt.
Dennoch fühlst Du Dich schuldig,
bekommst vielleicht ein schlechtes Gewissen.

Du fühlst Dich gut,
aber ein anderer fühlt sich nicht wohl in Deiner Gegenwart,
weil er ein Problem mit seinen Vorstellungen hat.
Und das Sich-Nicht-Wohlfühlen überträgt sich auf Dich.

Die Menschen kennen ihre Probleme,
aber sie wollen nicht wissen,
daß es ihre eigenen Probleme sind,
so - sie suchen sich einen »Spiegel«.

Ein Mensch hat Angst vor körperlicher Behinderung,
aber er mag diese Angst nicht anschauen,
er mag nicht sehen, daß es seine eigene Angst ist.
Also sucht er sich jemanden,
der bereit ist,
die Spiegelfunktion zu übernehmen,
und er schimpft auf den Bau des Behindertenwohnheims in seiner Nähe.

Einem Kind ist es egal,
wie behindert jemand ist,
ja sogar, wie ein Mensch aussieht,
es akzeptiert jedes Aussehen.
Erst von den Erwachsenen lernt es bestimmte Reaktionen.

Ein reines Kind kann nichts spiegeln,
weil es durchlässig, durchsichtig ist.

Das Gute geht durch das Baby hindurch
und das Ungute ebenfalls.
Das Kind bleibt unberührt,
weil es nichts reflektiert.

Du wirst in Zukunft mehr und mehr
wie ein Kind sein,
Du wirst Dich freuen können
wie ein Kind.
Und Du wirst Deine Welt nur durch Dein Da-Sein
verändern
wie ein Kind.
Du wirst Deine Umwelt verändern,
durch Deine Fröhlichkeit,
durch Deine Offenheit.
Deine Ausstrahlung,
Deine Unbeschwertheit
wird die Menschen um Dich herum verändern.

Und Du wirst Dein Leben genießen
wie ein Kind.
Ein Kind genießt jede Sekunde,
ganz gleich, was geschieht,
es macht ein Spiel aus allem,
ganz gleich, was es tut.

Ein Kind ist immer im Augenblick,
genießt diesen Moment,
denkt nicht an morgen.

Ein Kind hat kein Bewertungssystem,
es schaut, beobachtet,
ist offen und wach,
nimmt alles auf.

Kinder könnten die Welt verändern.
Kinder könnten aus dieser Welt ein Paradies machen.

Kinder fühlen die Welt
mit allen Sinnen.
Erinnere Dich,
wie es war,
wie leuchtend die Welt war,
wie Du die Welt empfunden hast,
mit Deinem ganzen Körper,
mit Deinen Füßen,
mit Deinen Händen.
Erinnere Dich, wie die Welt voller Stimmungen war,
geheimnisvoll und aufregend,
voller Gerüche,
voller Ahnungen und Phantasien,
neu und interessant.
Erforsche die Welt,
fühle die Welt
mit den Augen eines Kindes.

Erinnere Dich, wie jeder Tag ein neues Abenteuer war,
wie lang jeder Tag war.
Die Tage der Kinder sind deshalb so lang,
weil sie alles wahrnehmen,
weil sie jede Sekunde aufsaugen,
weil sie jede Veränderung entdecken,
weil sie jedes Gefühl fühlen,
weil sie Geheimnisse
erahnen,
in den Steinen,
in den Mauern,
in den Bäumen,
in den Pflanzen
und in den Tieren.

Weil sie das Wirken des Göttlichen fühlen,
im Wehen des Windes,
im Wehen eines Vorhangs,
im Regen,
im Schnee,
in den Eisblumen am Fenster,
in Gewittern,
in den Gesten eines alten Mannes.

Du kannst es wieder lernen,
zu empfinden wie ein Kind,
aber Du brauchst deshalb Dein Wissen und Deine Erfahrung nicht
aufzugeben.
Du mußt nur aufhören,
auf Deinen inneren Dialog zu lauschen.

Und als Erwachsener hast Du die Möglichkeit,
wie ein Kind zu sein
und die Freude hierüber
zu empfinden.
Das ist mehr,
als Kind zu sein.

Das Kind weiß nämlich nicht,
wie schön es ist,
Kind zu sein.
Es empfindet zwar die Freude,
aber es geschieht automatisch,
es erlebt die Freude nicht bewußt.
Es ist im Paradies,
aber dies ist ihm so selbstverständlich,
wie es das Wasser für den Fisch ist.

Nur der Erwachsene
kann sich des Paradieses bewußt erfreuen,
wenn er zurückkehrt dorthin
und das Paradies
bewußt
genießt.

Kinder sind erleuchtet,
aber sie wissen es nicht.
Du aber kannst erleuchtet sein
und wissen, daß Du erleuchtet bist,
und mit offenen Augen
die fallenden Blüten
bestaunen.

Man kann alles bestaunen,
und wenn es nur die Vibrationen in Deinem Körper sind,
die feinen Strömungen,
und wenn es nur der Geschmack
auf Deiner Zunge ist
oder das Rauschen
in Deinem Ohr
oder das Geräusch
Deines Herzens.

All das
ist schon so unendlich
viel.

Ein Prickeln irgendwo auf Deiner Haut,
das Heben und Senken Deiner Brust,
ein fallendes Blatt,
ein Vogel in der Luft,
das Blinken eines Staubkorns
in der Sonne,
ein Lufthauch,
der Blick eines Hundes,
ein Farbmuster
irgendwo,
eine Wolke,
ein Schatten.

All dies sind Emanationen des Göttlichen
und mehr als genug,
um vor Freude auszuflippen,
wenn Du es bemerkst.

Und Du kannst Dich in Zukunft schon an diesen kleinen Dingen freuen,
und um wieviel größer wird die Freude sein
über einen Schwarm von Vögeln,
über einen Wald,
über ein schönes Bild,
eine schöne Musik,
einen schönen Menschen,
über ein starkes Gefühl
in Deinem Körper.

All dies findet in der Realität statt,
und die Realität wird für Dich in Zukunft
mehr und mehr
an Bedeutung gewinnen.

Kinder denken nicht an die Vergangenheit
oder an die Zukunft,
sie trauern nicht
irgendwelchen Phantasien hinterher,
sie sind in der Gegenwart.
Selbst wenn sie träumen,
träumen sie in der Gegenwart,
wenn sie spielen,
spielen sie in der Gegenwart,
wenn sie wahrnehmen,
nehmen sie in der Gegenwart wahr.

Das Leben wird ein immer größerer Genuß für Dich sein,
weil Du mehr und mehr

in diesem Moment,
in dieser Realität
entdecken wirst.

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Kreativität bringt Dich weiter!

So seltsam das klingen mag, Du kannst von der Industrie lernen. Wenn eine Firma beispielsweise rote Zahlen schreibt, trauert sie dann? Beklagt sie ihr Schicksal? Firmen denken logischer als Individuen. Eine Firma erkennt eine Problematik, analysiert sie, beseitigt die Ursachen und findet einen neuen Weg. Eine Firma trauert nicht, sondern sucht die Alternative. Ich habe in den Meditationen des öfteren Organismen mit Organisationen verglichen, und daran ist auch umgekehrt etwas Wahres: Eine Firma funktioniert wie ein Lebewesen, das überleben will, es dehnt sich aus, wächst, ist kreativ - oder es muß verschwinden. Ich bin beileibe kein Freund gewisser Auswüchse des Kapitalismus, aber manche in der Industrie angewandten Methoden und Prinzipien des Erfolges sind des Studiums würdig, weil man sie im privaten Bereich anwenden kann.

Die Industrie ist im geheimen oft viel weiter als der »Zeitgeist«, als die Medien. Während die Medien sich noch über neue Methoden der Selbstverwirklichung und Meditation lustig machen, sind die Industriemanager längst dabei, diese Methoden zur Produktionssteigerung und Innovation zu benutzen. Trance und Meditation werden dort seit langem in Managerschulungen eingesetzt. Während der »Stern« oder der »Spiegel« über »Jugendsekten« wie die Bhagwan-Bewegung herziehen, hat die Industrie längst in Poona und Oregon ihre Führungskräfte schulen lassen und lacht sich ins Fäustchen, daß die eine oder andere Methode des Gurus tatsächlich zu mehr Erfolg und Innovation führt - der Industrie ist es egal, wie viele Rolls-Royce der »Bhagwan« fährt, Hauptsache, sie gewinnt irgendeinen Vorteil durch irgendeine neue Methode dieses Mannes. Der Normalbürger ärgert sich unterdessen, grübelt, schimpft, palavert am Stammtisch, und die Medien bestärken ihn darin natürlich, weil sich nur ebendies verkaufen läßt. Unterdessen arbeitet der kreative Teil unserer Gesellschaft, eben (außer ein paar Künstlern) hauptsächlich die Industrie, schafft Neues, wächst, wuchert, wenn auch oft in die falsche Richtung. Dennoch kannst Du die Methoden benutzen, um ebenso kreativ zu werden: zum Beispiel beim »Brainstorming«.

In den Firmen kommen beim Brainstorming Menschen gezielt zusammen, um zu »spinnen«. Wer dazu nicht verrückt genug ist, wird nicht zugelassen. Die Gruppe produziert ganz absichtlich verrückte Ideen, absurde Gedankenspielereien, phantasievolle Träume - ohne darüber zu befinden, ob irgend etwas davon zu verwirklichen wäre. Und - ein Wunder geschieht - während die Gruppe in einen Rausch gerät, in eine Ekstase überbordender Phantasie, hat irgendeiner in der Gruppe eine Idee, auf die er nur durch die vielleicht absolut verrückte Idee eines anderen kommen konnte und die sich beim späteren (»vernünftigen«) Aussortieren der Ideen als Ei des Kolumbus entpuppt. Es kann sein, daß diese geniale Innovation lediglich darauf beruht, daß jemand genau das Gegenteil davon vorschlägt, was ein anderer sich erlaubte zu äußern, weil es ja erwünscht war zu spinnen.

Im normalen Leben versuchen wir, sehr vernünftig zu sein, wir zensieren uns selbst, wir werden dauernd kritisiert und gelangen deshalb niemals in einen Zustand, in dem Kreativität möglich wäre. Leider lehrt man Kinder, »auf dem Teppich zu bleiben«, und merkt gar nicht, daß man damit ihre Kreativität zerstört. Kinder sind von Natur aus kreativ, sie sind die geborenen »Brainstormer«. Erwachsene müssen dies erst wieder lernen.

Brainstorming und ähnliche Methoden schaffen eine Atmosphäre von Kindlichkeit, Freude, ungehindertem Fluß der Lebensenergie, und in diesem Klima können auch Gesundheit und Liebe wachsen.

Wenn Gedanken ungehindert fließen dürfen, dann setzt ein Prozeß der Erneuerung ein, und das ist es, was man braucht, um mit neuen Herausforderungen umzugehen. Und Erneuerung ist ein anderes Wort für Gesundheit, keine »geflickte« Gesundheit, sondern eine ursprüngliche Gesundheit.

Die Brainstorming-Gruppen sind der Natur nachempfunden; Du kannst die Entwicklung beispielsweise einer Pflanze genauso sehen: Pflanzen sind dauernd dabei, Neues zu schaffen, zu »spinnen«, wenn Du so willst. Sie wachsen nicht alle nach dem gleichen Muster, sondern sie mutieren, sie verändern sich ständig ein wenig. Und manche dieser Veränderungen sind Verbesserungen. So - niemand kritisiert die Pflanze und sagt: Du fällst aus der Rolle, Du mußt beschnitten werden. Nein - wenn die Abänderung positiv ist, wird sie von allen anderen Pflanzen dieser Gattung übernommen. So machen es alle Lebewesen. Nur so hat sich das Leben weiterentwickeln können! Der Mensch ist das einzige Wesen auf dieser Welt, das versucht, Innovation zu verhindern!

Und wenn sich etwas als Sackgasse herausstellt, dann geht dieses Lebewesen eben irgendwann ein, aber niemand hat es kritisiert oder sich darüber mokiert - denn die Natur weiß, wenn ich Mutation verbiete, verbiete ich jede Weiterentwicklung. Aufstrebende Kulturen fördern die Kreativität, lassen auch Abweichungen zu - sterbende Kulturen versuchen, alle Individuen in ein festes Schema zu pressen; wer sich nicht einfügt, wird diskriminiert, vernichtet, vertrieben. Damit vernichtet die Kultur sich aber nur selbst. Es kann sein, daß die ganze Rasse Mensch aussterben wird, weil sie dieses Naturgesetz mißachtet. Aber das ist von einer höheren Warte aus gesehen nichts Schlimmes - es hat immer wieder Lebewesen gegeben, die nach einer gewissen Zeit wieder ausgestorben sind. Wir sind lediglich die Fossilien von morgen. Die Natur wird einen neuen Versuch machen, und vielleicht wird die nächste Rasse »intelligenter« Lebewesen intelligenter sein als der Mensch.

Ein Virus ist eindeutig ein Anlaß, kreativ zu werden, zu mutieren. In geistiger Hinsicht, in körperlicher und seelischer Hinsicht. Das ist die Herausforderung und die Chance. Jede Umweltveränderung bewirkt Mutation, und ein Virus ist eben auch eigentlich nicht mehr als eine Veränderung der Umwelt. Lerne dies zu benutzen, wie die Natur es benutzt.

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Was kannst Du praktisch tun?

Ich hoffe, daß ich Dir bis hierher schon ein paar positive Anregungen gegeben habe. Dennoch möchte ich Deine Aufmerksamkeit auf weitere Möglichkeiten lenken, die Erkenntnisse aus diesem Buch anzuwenden:

Im vorigen Kapitel habe ich davon gesprochen, wie unsere Gesellschaft in lebensfeindlicher Weise versucht, das Abweichende zu unterdrücken: Menschen, die nicht unseren Normen entsprechen, müssen zumindest unsichtbar werden. Der geistig Behinderte gehört ins »Irrenhaus«, der Alte ins Altenheim, der Kranke ins Krankenhaus.

Ich behaupte: Der POSITIVE gehört keinesfalls ins Krankenhaus, das ist der falsche Ort für ihn.

Der Arzt Andreas Ulrich hat im Auftrag des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie die Belastung des Personals durch kranke und sterbende Patienten untersucht und kommt zu erschreckenden Ergebnissen: Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich selber krank, ausgelaugt, hilflos, verzweifelt.

In einem Krankenhaus wird man krank, und die Ärzte und das Pflegepersonal dort werden froh sein, wenn sie Dich nicht sehen. Ich sage nicht, laß Dich dort nicht gelegentlich behandeln, wenn es unumgänglich ist, aber leben könntest Du auf jeden Fall woanders. Im übrigen mußt Du im Brennpunkt der Öffentlichkeit bleiben, denn Du hast der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.

Ich behaupte: Wenn Du POSITIV bist, gehörst Du in ein »Gesundenhaus«. Und wenn es so etwas nicht gibt, muß es geschaffen werden.

In der Zeitschrift »BIO-Magazin« lese ich einen Artikel, der in die richtige Richtung weist::»Ein neues Ernährungsprogramm für Unheilbare«. Ich zitiere ungern andere und schon gar nicht aus zweiter oder dritter Hand, denn gerade die »spirituelle Regenbogenpresse« bringt oft »sensationelle« Nachrichten, die man zwar gerne glauben möchte, die sich aber bei genauer Nachprüfung als Übertreibungen oder »Enten« herausstellen. Aber ich möchte hier eine Ausnahme machen, da sich vielleicht aufregende Möglichkeiten eröffnen. »BIO-Magazin« schreibt:

 

»Im Mai 1984 entschlossen sich etwa zwei Dutzend Männer in New York zu einer radikalen Umkehr. Alle im letzten Stadium der Krankheit AIDS. Alle mit dem für AIDS-Infizierte typischen Hautkrebs, dem »Kaposi-Sarkom«. Die Ärzte und die Statistik gaben ihnen noch etwa eineinhalb Jahre Lebenszeit, als sie sich zu einer grundlegenden Umstellung ihres gesamten Lebensstils entschlossen. Sie begannen, »makrobiotisch« zu leben. Die Todgeweihten beschlossen, es einmal mit den Ratschlägen des Japaners Michio Kushi zu versuchen ...

... Aber auch Strategien der Lebenskunst spielen bei seinem Hilfsprogramm für »Unheilbare« eine wichtige Rolle...

... Dr. Martha Cottrell vom Fashion Institute of Technology in New York übernahm die ärztliche Betreuung. Die Blutwerte der Projektteilnehmer wurden regelmäßig am Mikrobiologischen Institut der Universität Boston untersucht.

 

Das Resultat dieses beispielhaften, aufregenden Versuchs: Etwa die Hälfte der Männer lebt noch heute - nach immerhin drei Jahren. Ihre Blutwerte (Lymphozytenzahl und T4-Zellen-Prozentsatz) haben sich stabilisiert oder verbessert. Und was vielleicht am  allerwichtigsten ist, diese Männer leben wieder gern. Sie fühlen sich nicht mehr als »Kranke«, sondern als handlungsfähige und selbstverantwortliche Mitglieder der Gesellschaft.

Dr. Cottrell, die betreuende Ärztin: »Diese Männer sind aktiv. Sie arbeiten. Sie führen ein normales Leben. Sie treffen sich regelmäßig in Gruppen, um einander zu helfen und zu raten, um sich gegenseitig Mut zu machen.
Sie blicken optimistisch in die Zukunft. Die ganze Gruppe unterscheidet sich vollkommen von fast allen anderen AIDS-Patienten, die normalerweise chronisch müde und krank sind und von Gefühlen der Ohnmacht und Verzweiflung aufgezehrt werden.«

Was hat diese Veränderung herbeigeführt? Alle Männer haben ihre Ernährung nach den Grundlagen der makrobiotischen Lehre umgestellt und haben auch sonst mehr Ordnung in ihr Dasein gebracht.

 

Das Überlebensprogramm im einzelnen.

Ernährung

Ersatz von Zucker und Honig durch komplexe Kohlehydrate, wie sie sich in Getreide und bestimmten Gemüsen finden.

Vollwertgetreide anstatt Weißmehl als Basis der Ernährung.

Weitgehender Verzicht auf Milchprodukte, Fleisch, Tiefkühlkost, chemisch behandelte Lebensmittel.

Verzicht auf Kaffee, Tee, Kakao, Alkohol, Schokolade, auf Beruhigungs- und Aufputschmittel.

Gründliches Kauen und maßvolles Essen.

 

Allgemeiner Lebenswandel

Regelmäßig essen, arbeiten, ruhen.
Aufgeräumte, saubere, klare, helle Umgebung.
Regelmäßige körperliche Aktivität.
Entwicklung einer neuen positiven Lebenseinstellung.
Einen Geist gegenseitiger Verbundenheit und zu allen Mitgliedern der Gesellschaft entwickeln.
Leben in Dankbarkeit gegenüber Eltern, Vorfahren, Mitmenschen, Gesellschaft, der Natur und dem Universum.«

(Zitate aus: »BIO-Magazin« 5/87)
(Hervorhebungen und Kürzungen vom Autor)

 

Ganz gleich, was man über derartige Vorschläge denken mag, es gibt nur eine Konsequenz daraus: Handeln, Ausprobieren, Verwirklichen.

Aber gerade an einem solchen Beispiel kannst Du die unvorteilhaften Denkgewohnheiten in unserer Gesellschaft studieren: Erzähle Politikern, Ärzten, Funktionären von diesem Programm, und sie werden Dir Gegenargumente liefern, sie werden versuchen, es Dir auszureden, madig zu machen, sie werden Dir nicht glauben und nicht helfen. Stattdessen werden sie sich selbst und ihre Meinung produzieren. Laß Dich nicht von solchen Leuten entmutigen, nimm Dein Leben in die Hand, werde kreativ, suche Gleichgesinnte und tue alles, was in die Richtung des Positiven weist. Ein solches »Überlebensprogramm« läßt sich auf die Beine stellen, wenn man sich nicht von der zerstörerischen Negativität und Skepsis dieser Gesellschaft anstecken läßt. Es wird nicht leicht sein, aber am Widerstand kannst Du wachsen, aus dem Widerstand kannst Du Kraft schöpfen. Wenn es ums Überleben geht, muß man zum Fanatiker werden und ohne Rücksicht auf Meinung und Widerstand anderer seine Ziele verfolgen. Wer denkfaul, unkreativ und bequem sich an der Strömung  unserer Zeit orientiert, wird enden, wie z.B. der ehemalige Faßbinder-Schauspieler Kurt Raab:

»Nicht der Tod macht mir angst, aber das Sterben« , so die große Schlagzeile der Münchner »Abendzeitung«. Und der Reporter schreibt weiter:

»Die Stationsschwester im Hamburger Tropeninstitut führt mich mit unbewegtem Gesicht an seine  (Kurt Raabs) Tür, als gelte es, einen Staubsauger aus der Besenkammer zu holen.

»Herr Raab, Besuch!« Der Mann auf der Bettkante schaut skeptisch. Seine Augen sind von solcher Intensität, daß ich die kleine gekrümmte Gestalt zunächst nur in Umrissen wahrnehme ...

Das hier ist ein Loch! Ein Bett, ein Nachttisch, eine Tür. Aus. »Um Gottes Willen, schreiben Sie das nicht, ich bin froh, überhaupt untergekommen zu sein ...«

Kurt Raab sieht elend aus. Die drei Monate im Endstadium haben ihn noch fahler, noch schmaler werden lassen. Er will sich nicht mehr fotografieren lassen. Er trägt ein kurzes Nachthemd und lange weiße Strümpfe bis über die Knie ...

»Wie sieht es mit den Ärzten aus?«, frage ich verlegen. Sind sie ehrlich zu ihm? - »Ärzte haben die Angewohnheit, sich alles anzuschauen, rauszugehen, und es draußen zu besprechen....«

(Zitat: »Münchner AZ« v. 27.11.87)

 

Und in diesem Stil geht es weiter. Ein Artikel, der über eine ganze Seite nichts anderes tut, als die AIDS-Angst auszuschlachten, Mitleid zu erregen, zu deprimieren und die bestehenden Verhältnisse hilflos zu schildern. Man spürt die absolute Unfähigkeit des Reporters, mit dem Menschen Kurt Raab und seiner Situation umzugehen, er ist vollauf beschäftigt, die eigene Befangenheit zu verdrängen, und nimmt deshalb »nur in Umrissen wahr«, wie er selbst schreibt.

Da lobe ich mir doch das »fröhliche dem Jenseits entgegen« der Kübler-Ross. Es ist mir egal, was andere denken; ich würde auf jeden Fall dem Hamburger Tropenkrankenhaus eine positive, kreative kleine Kommune vorziehen (in den Tropen vielleicht?), in der das Sterben zu einem allgemeinen Fest gemacht wird, zum »Auftakt einer wunderbaren Reise, zu einem Sterbeerlebnis erster Klasse«, wie der »Spiegel« mit der Absicht, Frau Kübler-Ross zu diffamieren, schreibt.

(Zitate: »Spiegel« Nr.48/87)

 

Die meisten Menschen in Deutschland sterben in einem Krankenhaus, einsam, ungeliebt, »in der Besenkammer«, ob mit oder ohne AIDS.

Es lebe Frau Kübler-Ross, wenn sie sagt, im Umgang mit »Todgeweihten« (Denke daran, das sind wir alle!) ließen sich neue Formen der bedingungslosen Liebe erproben.

Ich kann mir einen Platz voller Leben vorstellen, wo der Sterbende total integriert ist, wo er wie selbstverständlich behandelt und zur Kenntnis genommen wird, wo er gestreichelt und geliebt wird. Wo schon Kinder studieren können,wie dieses Leben zu Ende gehen wird, wo jeder mit der Tatsache der Vergänglichkeit dauernd konfrontiert ist und demzufolge kleine Krankheiten und Mißgeschicke, Streit und Reibereien nicht so ernstgenommen werden, wie wir uns das angewöhnt haben. Übrigens - könnte es nicht sein, daß man in Deutschland mal so gelebt hat? Ich kenne jedenfalls Länder, in denen der Sterbende in der Familie bleibt, in denen sich niemand am Aussehen von Kranken und Todgeweihten (!) stört, die womöglich in einem Sessel auf der Straße sitzen und ganz normal gegrüßt und angesprochen werden.

Es könnte sein, daß AIDS uns dazu auffordert, die alte Institution der Familie wieder neu entstehen zu lassen, nicht die jämmerliche hohle Form der Familie, die der Staat mit Geld und Vorteil zu erhalten sucht, sondern eine Familie gleichgesinnter Menschen, die liebevoll zusammenleben, miteinander lernen, einander helfen, einander Geborgenheit schenken, unabhängig von körperlicher Verwandtschaft. Vielleicht müssen die POSITIVEN es den anderen vormachen, wie man leben sollte, wie man leben könnte?

Wähle Deinen Weg ohne Rücksicht auf Meinung und Konvention, es ist Dein Leben, und es wird Dein Tod sein.

Wenn Dir diese Ideen gefallen, beschäftige Dich weiter damit, und Du hast den ersten Schritt zu ihrer Verwirklichung getan. Du hast den ersten Schritt getan, um Gleichgesinnte zu finden, um den Platz und die Zeit zu finden.

Es geschieht immer auf diese Weise: Man hat eine Idee und die Idee wächst, drängt zur Verwirklichung. Beschäftige Dich mit dem Positiven, Du hast nichts zu verlieren. Und man kann klein anfangen, vielleicht in Deiner Wohnung. Stell Dir vor, welche Art Menschen mitmachen werden, wer finanziell helfen könnte, wer moralisch helfen könnte ...

Es hat immer Menschen gegeben, die solche Initiativen ergriffen und verwirklicht haben, und solche Menschen haben Dir nichts voraus, außer daß sie nach vorne schauen, daß sie immerzu auf der Suche nach neuen Ideen sind. Und nur die Suche nach neuen Ideen macht das Leben wirklich lebenswert, warum schwärmen die Menschen eher von den Zeiten des Aufbauens und seltener von Zeiten des satten Faulenzens, Überflusses, der Saturiertheit. Warum neigen Menschen in Zeiten des Aufbaus eher zu Gesundheit und Optimismus, auch wenn es viel zu tun gibt und viele

Probleme gelöst werden müssen? Natürlich fiebern sie der Zeit entgegen, wenn das Haus fertig ist, die Wohnung eingerichtet, die Organisation perfekt, die Partei an der Macht. Aber wenn all dies erreicht ist, setzt der Zerfall ein und die Unzufriedenheit. Wer sich dann keine neue Aufgabe schafft, rostet langsam ein und wird unzufrieden.

Schau Dir diese Gesellschaft an: Noch nie gab es so viel Wohlstand, Überfluß, so viele Möglichkeiten, und dennoch (oder eben vielleicht gerade deshalb) sind die Menschen dieses Landes unzufrieden, ja es scheint, als ob sie geradezu dauernd mit der Lupe nach Skandalen und Mißständen und Unzufriedenheit suchen würden.

Es wird in der nächsten Zeit eine wachsende Zahl von POSITIVEN geben und sie werden auch politisches Gewicht bekommen. Fang sofort an, Gleichgesinnte zu suchen, Abende und Kreativitätstrainings zu veranstalten, Therapeuten zu suchen, die bereit sind, positives Denken zu lehren, Meditationen zu veranstalten, Dir gesunde Ernährung nahezubringen, körperorientierte Therapien wie Rebirthing oder Bioenergetik zu lehren, usw.

Selbsthilfegruppen dürfen sich nicht darin erschöpfen, daß man sich gegenseitig Trost zuspricht, gemeinsam das Schicksal beklagt oder Dir nur dadurch ein besseres Gefühl gibt, daß Du weißt: Anderen geht es auch nicht anders.

Wenn Du nicht mehr tust, legt sich der Geruch der Problematik über die Gruppe, sie wird lediglich eine »psychische Quersumme« aus den Anwesenden bilden. Der Unglückliche wird ein wenig getröstet, aber der Fröhliche wird ein wenig traurig werden. Eine solche Gruppe ist nicht ganz unnütz, aber auf Dauer unbefriedigend. Durch sie wird sich nichts Entscheidendes ändern. Eine Gruppe muß etwas aufbauen, etwas erschaffen, sie muß die Fähigkeiten der Teilnehmer addieren und ihre Kreativität potenzieren. Stell Dir eine Gruppe vor, die sich mit den Möglichkeiten beschäftigt, die neue Wege eröffnet, die unausgesprochene Ideen ausspricht. Gründe eine Firma, die das Positive produziert.

Der Titel dieses Buches lautet aus vielerlei Gründen: »Die Chance AIDS«. Einer davon ist, daß es noch nie in der Geschichte der Menschheit so viele Individuen gegeben hat bzw. geben wird, die im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, in der Blüte des Lebens einer solchen Herausforderung begegnen, die mit geballter Kraft und im Bewußtsein der großen, auch politisch relevanten Zahl ihrer Mitglieder Neuerung und Erneuerung erzwingen können. Die Gesellschaft muß von den POSITIVEN lernen.

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Die Antwort ist Liebe

Wir leben in einer Zeit und in einer Welt, die trennt,
und die das Trennende betont:
Häuser, Wände, Autos,
kleine Kapseln, die sich über die Straßen bewegen
und in jeder Kapsel sitzt nur ein Mensch,
oder höchstens zwei ...
Laute Musik, »walkmen«,
jedes Familienmitglied hat seinen eigenen Fernseher ...
Das Fernsehen ist ein trennendes Element,
es trennt zwischen dem, was irgendwo anders geschieht,
und dem, was Du erlebst,
dem, was Du bist,
dem, wo Du bist.
Erleben und Erlebnis sind nicht mehr eins.
Dein Geist kämpft im Wilden Westen und Dein Körper ißt Erdnüsse.
Und es gibt eine zweite Art der Trennung:
Zwei Menschen sitzen vor dem Fernseher
und können Lichtjahre voneinander entfernt sein.

Denn das Getrenntsein hat sich fortgepflanzt in unsere Beziehungen,
in die Beziehungen der Menschen untereinander:
Wir fassen uns nicht mehr an, wir vermeiden Berührungen,
wir vermeiden Blickkontakt,
wir zeigen nicht mehr unsere Gefühle.

Und in einer Atmosphäre der Trennung, der Absonderung
gedeiht das Lebensbedrohliche.

Pilze und Bakterienkulturen zum Beispiel wachsen da, wo Du trennst:
Pilze und Bakterien leben zwar überall,
aber sie bleiben unsichtbar, sie bleiben ungefährlich,
nur wenn Du sie einkapselst,
- in eine Glasschale zum Beispiel - und abdeckst
und womöglich in einen Brutofen stellst,
dann können sie sich entwickeln, dann können sie wachsen,
und
erst dann können sie gefährlich werden.

Aber da, wo alles offen ist, wo alles miteinander fließt,
gibt es keine Gefahr.
Den gleichen Effekt kannst Du beobachten im gesellschaftlichen Leben:
Sieh, wie Menschen auf einer Autobahn
nebeneinander und hintereinander rasen,
in ihren Blechkisten,
und während sie physisch getrennt sind,
entfernen sie sich auch psychisch voneinander.

Sie werden giftig wie Pilze,
sie bekämpfen einander wie mittelalterliche Ritter
in grotesken schweren Eisenrüstungen,
sie beschimpfen einander.

Wenn die gleichen Menschen sich beispielsweise an einem Strand bewegen
in der Badehose,
besteht plötzlich keine Gefahr mehr.
Selbst wenn sie gegeneinander sind,
sie können sich nicht mehr so leicht wehtun,
und ihre Schimpfworte werden zahmer,
und ihre Strandburgen sind weich.

Man benutzt diesen Effekt in Encountergruppen:
Ohne Kleidung werden die Menschen wieder menschlich.
Stell Dir eine politische Diskussion vor,
und alle sind nackt.
Dem gegenseitigen Verständnis würde es auf jeden Fall nützen.

Je weicher Du die Grenzen machst ,
je fließender Du die Grenzen gestaltest,
umso lebensfreundlicher ist das Leben.
Da, wo Du Grenzen erzeugst, ist Härte,
ein Baum, der in einem Glashaus wächst
kann an die Wände des Glases stoßen,
und wird verletzlich,
wenn Du das Gewächshaus öffnest und die klare Luft strömt herein,
kann der Baum sogar eingehen.
So - überall, wo Grenzen errichtet werden, entstehen Härten
und überall, wo Härte ist, ist Lebensfeindlichkeit.

Beobachte die Natur:
Die Natur ist weich.
Je weicher, umso mehr Leben.
Wasser ist das absolut Weiche.
Und im Wasser ist das Leben entstanden, nur im Wasser konnte es entstehen,
weil das Wasser weiche, fließende Bedingungen schuf.
Liebe ist das Gegenteil von Trennung,
von Härte,
von Abkapselung,
Liebe hebt die Trennung auf.

Viele Bilder, viele Assoziationen, die wir mit dem Wort Liebe haben,
kommen aus dieser Zeit, in der wir im Wasser lebten,
in der wir im Wasser schwammen,
und wir erinnern uns dieser Zeit,
wenn nicht durch den genetischen Code,
so doch aus der Zeit vor unserer Geburt ...
und dann kam die erste Trennung:
die Geburt.
Vorher waren Mutter und Kind auch körperlich eins,
jetzt beginnt ein Prozess der Ablösung,
vorher waren Kind und Umwelt eins,
jetzt gibt es plötzlich Grenzen:
Die Windeln, die gestrickten Jäckchen,
der Kinderwagen ...
und diese Trennungen werden immer gravierender,
je älter das Kind wird.
Es wird seltener in den Arm genommen,
seltener gestreichelt,
es muß alleine schlafen,
alleine zur Schule gehen ...

Und aus der Trennung entstehen Konflikte,
denn das Kind will nicht getrennt sein!
Konflikt ist immer da, wo zwei Dinge getrennt sind:
Unterdruck und Überdruck,
fester Körper und flüssiger Körper,
es herrscht eine Spannung zwischen zwei unterschiedlichen Medien.
Konflikt ist Spannung.

Da, wo alles offen ist, wo alles frei ist, wo alles fließend ist,
bestehen keine Spannungen.
Im Wasser zum Beispiel bestehen kaum Spannungen,
aber wenn Du trennst,
wenn Du zum Beispiel mit einem Unterseeboot tauchst,
entsteht eine riesengroße Spannung durch die Trennung:
Innenraum - umgebendes Wasser.

Den gleichen Effekt gibt es im menschlichen Zusammenleben,
die Trennung von Mann und Frau,
Chef und Arbeitnehmer,
Fußgänger und Autofahrer ...

Aber Liebe kann
den Austausch wieder herstellen,
kann den Fluß wieder herstellen,
Da, wo Liebe herrscht, lösen sich die Trennungen wieder auf,
verschwinden die Grenzen.
Es ist kein Zufall, daß Menschen aus Liebe weinen ...

Liebe stärkt das Immunsystem.

Man hat wissenschaftlich nachgewiesen,
daß glückliche Paare Infektionen leichter überstehen,
Affenbabys, die man zu früh von der Mutter trennt,
sind im späteren Leben anfälliger für Krankheiten.
Menschen, die sich geliebt fühlen, werden seltener krank.

Obwohl es umgekehrt sein sollte:
Wenn Du liebst, bist Du offen, bist Du weich,
und man sollte denken, Du bist verletzlicher.
Aber das Gegenteil ist der Fall:
Es scheint, als ob Krankheiten Dir nichts anhaben können,
weil sie durch Dich hindurchgehen,
weil Du ihnen keine Angriffsfläche bietest;
wo nichts Hartes ist, kann auch nichts zerbrochen werden,
nur ein Panzer kann zerbrochen werden,
was weich und fließend ist, kann nicht verletzt werden,
ein Pfeil oder ein Messer kann dem Wasser nichts anhaben,
im Gegenteil, es verschluckt diese Waffen einfach.

Mit einer harten Schale ist man verletzlich,
wenn Du weich bist, kann Dir nichts geschehen.
Wenn Du weich wirst,
wirst Du stark!
Die Weichheit des Flusses macht ihn stark.
Die Weichheit der Pflanzen macht die Pflanzen stark.
Obwohl sie so verletzlich wirken,
sind sie doch stärker als die harte Materie.

Eine Blume wirkt schwach gegen einen Panzer,
aber sie ist so weich,
daß er über sie hinwegrollen kann,
und sie drückt sich in die Erde,
und steht wieder auf.

Und wenn der Panzer längst verrostet ist,
lebt die Blume immer noch
und sie lebt immer weiter,
und sie blüht jedes Jahr.
Und aus dem Rost des Panzers im Boden
bezieht sie vielleicht noch ihren Eisenbedarf.

Die Weichheit des Wassers
hat das Überleben möglich gemacht.
Das Leben scheint verletzlicher als die harte Materie
aber auf Dauer bleibt es stärker, als die Materie.

Die Berge, die heute so groß und gewaltig erscheinen,
haben vielleicht vor nur wenigen
Jahrtausenden noch nicht in ihrer jetzigen Form existiert,
mußten sich verändern, wurden abgetragen,
neue Berge wurden aufgeworfen,
aber das Leben besteht unverändert weiter.
Vielleicht ist das Leben ein Versuch der Materie,
unsterblich zu werden,
unzerstörbar zu werden.

Und wenn Du diese Weichheit,
dieses Fließen des Lebens in Deinen Alltag überträgst,
es scheint, als würdest Du verletzlicher,
aber in Wirklichkeit wirst Du
stärker.
Wenn Du auf andere Menschen zugehst, wirst Du stärker.
Wenn Du ihnen erlaubst, auf Dich zuzugehen,
wirst Du stärker.
Die Situation, in der Du Dich augenblicklich befindest,
in der die ganze Welt sich befindet,
ist die Chance,
die Liebe endlich
fließen zu lassen;
lernen brauchst Du die Liebe nicht,
denn Du bist Liebe,
Du bist aus Liebe gemacht.
Du brauchst nur zu SEIN,
und schon fließt Du mit der Liebe,
sie ist der natürliche Zustand.
Gib das Trennende auf,
gib das Harte auf. Was hast Du zu verlieren?
Und Du mußt dies alles nicht glauben,
probiere es doch einfach aus!

Wenn Du offen bist,
kann ein Mensch zu Dir sagen, was er will,
er kann tun mit Dir, was er will.
Und Du lächelst,
es geht durch Dich hindurch.
Gewisse Kampfsportarten beruhen auf diesem Prinzip;
Du setzt niemandem einen Widerstand entgegen,
sondern absorbierst die Energie des anderen und nutzt sie aus.

Du bleibst offen für die anderen.
Wenn Du Dich auf ein Argument versteifst,
auf ein Gegenargument, auf eine Gegenreaktion,
entsteht ein Kampf,
und der Kampf erst macht Dich verletzlich.

Wäre es nicht vorstellbar,
daß zumindest einige Menschen,
die reif dafür sind, sich zusammentun,
und sagen,
laß uns Liebe leben,
laß uns zusammenfließen,
laß uns miteinander offen sein,
und laß uns sehen, wie unser Körper darauf reagiert?
Wäre es nicht möglich, sich eine Gemeinschaft von Menschen vorzustellen,
die die Liebe lebt, das Miteinander, das Füreinander?

Es hat in der Geschichte immer wieder Versuche gegeben,
solche Gemeinschaften zu etablieren,
das Christentum war einmal ein solcher Versuch.
Und es steht Dir frei, immer wieder ein neues Christentum
zu erschaffen.
Tatsache ist, daß es viele solche Versuche gibt.
Nur - der Zeitgeist, die Medien,
das stupide, nachgeplapperte Denken vermag nicht zu begreifen,
daß nur in solchen kleinen Gruppen eine Hoffnung liegt.
Denn wie soll ein neues Denken, ein neuer Mensch
anderswo, als in einer kleinen Gruppe entstehen ?

Es mag sein, daß solche Gruppen »Sekten« genannt werden,
aber es handelt sich auf jeden Fall um Menschen,
die etwas Neues versuchen,
nachdem doch wohl offensichtlich ist,
daß das Alte nicht funktioniert.

So - mach den Versuch, mit Gleichgesinnten zusammen
eine Gemeinschaft zu gründen,
eine Gemeinschaft der Liebe,
eine Gemeinschaft der Offenheit,
des Streichelns,
der Geborgenheit ...
Nimm keine Rücksicht auf das, was die anderen sagen,
folge Deinem Gefühl.
Warum nicht Geborgenheit in einer Gruppe suchen und finden?
Wenn es die anderen »Flucht« nennen, wen kümmert das?
Hauptsache, Du fühlst Dich wohl.

Es wird immer Menschen geben, die alles mögliche einzuwenden haben,
die versuchen werden, Dir Deine Handlungsweise vorzuschreiben;
in Deiner augenblicklichen Situation
hast Du die Chance, alle diese Dinge über Bord zu werfen.
Du kannst jetzt ganz klar und stur und konsequent Deinem Weg folgen,
Deinem Gefühl folgen.
Und wenn Dein Weg Dich zur Liebe führt,
zum Zusammensein,
zum Miteinander,
zur Geborgenheit einer Gruppe,
dann folge diesem Gefühl, geh diesen Weg,
und Wunder mögen geschehen.
Wunder sind dann möglich, wenn das Individuum nicht mehr existiert,
wenn das Ego des Menschen den Kampf aufgegeben hat.
Die Wunderheilungen von Lourdes beispielsweise waren möglich,
weil diese Menschen aufgegeben hatten,
weil sie ihr Schicksal in die Hände einer höheren Macht gelegt haben.
In die Hände Gottes,
oder der Mutter Gottes.

Der Name dieser göttlichen Kraft spielt keine Rolle.
Wichtig ist, daß Du Dich hingibst an diese Kraft.

Und diese Kraft ist nichts anderes als die Liebe.
Gott ist Liebe.
Du fließt mit allem, was existiert.

Und es ist nicht wirklich die göttliche Kraft, die Dich heilt,
oder Jesus Christus,
sondern es ist die geistige Haltung, die Du einnimmst:
Hingabe,
Aufgeben,
nicht im Sinne von Unterwerfung oder Sichverkriechen,
sondern im Sinne von totalem Offensein,
von Mit-Ausgebreiteten-Armen-Dastehen
und Erwarten, was auch immer da kommt.
Wenn es Gott wäre, der Dich heilt, dann müßtest Du nicht nach Lourdes,
dann könnte alles so bleiben, wie es war,
denn ER ist überall,
ER ist allmächtig.

Aber es ist DEINE geistige Haltung,
die Dich heilt.
Und deshalb spielt es nicht mal eine Rolle, ob es einen Gott gibt
oder ob Du an ihn glaubst,
und Lourdes ist überall.
Das Göttliche ist auch in diesem Raum,
hier, wo Du jetzt bist.
Und es ist jetzt und hier fühlbar.

Es gibt eine Gruppe von Menschen, die sich treffen,
- einmal in der Woche, zweimal pro Woche -
um sich der göttlichen Kraft zu öffnen,
eine Art Sekte,
aber man bezeichnet sie nicht als Sekte, weil niemand sie kennt.

Es mag sein, daß Du einen von ihnen kennst,
es gibt sie auf der ganzen Welt,
aber er wird niemals zu Dir sagen: »Komm zu uns!«.
Wenn Du ihn fragst, wird er Dir Auskunft geben,
aber Du müßtest erst wissen, was Du fragen mußt.

Und diese Menschen kennen nur einen Gottesdienst,
nur eine religiöse Übung:
Sie treffen sich zu festgelegten Zeiten,
und stehen zusammen mit geschlossenen Augen
und öffnen sich der göttlichen Kraft.
Das ist alles.
Sie sprechen nicht über ihre Erfahrungen,
sie sprechen nicht über Religion,
sie trinken höchstens zusammen Tee und plaudern über Banalitäten.

Aber ich habe noch nirgendwo anders derartige Wunder gesehen:
Die Veränderung, die mit diesen Menschen passiert, ist unglaublich.
Es gibt eine kurzfristige Veränderung:
Nach einer solchen Zusammenkunft herrscht eine Schwingung
der Liebe
im Raum.
Nach einer solchen Zusammenkunft leuchten die Augen dieser Menschen,
sie sind fröhlich, sie verstehen einander,
obwohl sie verschiedener Meinung sein können.
Es gibt dort Menschen aller Berufe und sozialen Schichten.
Sie verstehen einander auf einer existenziellen Ebene.

Und es gibt eine Langzeitwirkung in dieser Gruppe:
Heilungen geschehen, wunderbare geistige Veränderungen,
Erleuchtung, völlige Umstellungen des Lebens zum Positiven.

Und es ist nicht nötig, den Namen dieser Gruppe zu wissen.

Du kannst Deine eigene Gruppe gründen.
Und ich betone das Wort GRUPPE:
Je mehr Menschen bei solchen Zusammenkünften dabei sind,
umso stärker ist die Wirkung,
weil wir eigentlich eine Einheit sind,
weil wir zusammengehören.

Die spirituelle Kraft solcher Gruppen ist körperlich spürbar,
es ist, als ob die göttliche Kraft plötzlich physisch greifbar wäre,
als ob sie Dich berührte:
Du kannst zum Beispiel heilende Hände auf Deinem Körper spüren,
und Du öffnest die Augen,
aber da ist gar nichts zu sehen,
und dennoch spürst Du die Hände.
Du denkst, das war Einbildung,
und Du schließt die Augen wieder,
und immer noch fühlst Du diese Hände auf Deinem Körper.
Solche Dinge können geschehen.

In einer solchen Gruppe kannst Du sogar das Gefühl bekommen,
als ob »Geister« aus den Körpern dieser Menschen entweichen.

So - gründe eine solche Gruppe,
mit Menschen zusammen, die ähnliche Ideen haben,
oder die gleichen Ziele verfolgen.
Und Du mußt Dich nicht gezwungen fühlen,
auf jeden in einer solchen Gruppe zuzugehen,
und ihn zu umarmen, ihn zu lieben,
Du mußt die Spannungen, die sich immer zwischen Menschen ergeben
nicht unter den Tisch kehren und so tun,
als ob sie nicht existierten.
Es genügt, in einer solchen Gruppe einfach offen zu sein,
alles sein zu lassen, wie es ist,
nichts zu wollen,
alles fließen zu lassen, alles geschehen zu lassen.

Stellt Euch zusammen in einem Raum,
und öffnet Euch gemeinsam
der göttlichen Kraft,
der Liebe.

Es ist gut, weiche Kleidung zu tragen,
keine Uhren und keinen Schmuck zu tragen,
keine Schuhe,
sorge für einen weichen Untergrund
und stehe in diesem Raum,
schließe die Augen,
laß einen Gong ertönen, der vielleicht mit einer Zeituhr verbunden ist,
oder laß ein Tonband laufen;
und öffne Dich für eine halbe oder dreiviertel Stunde der göttlichen Kraft.

Laß alles zu, was auch immer geschieht,
erlaube Deinem Körper, sich zu bewegen, wie Dein Körper sich bewegen möchte,
oder wie er sich bewegen kann.

Wenn Du das Gefühl hast, etwas sagen zu wollen,
oder singen zu wollen,
oder rufen zu wollen,
laß es einfach geschehen,
laß es einfach aus Dir herausfließen,
denk nicht nach über das, was passiert
und analysiere nicht, was geschieht, bei Dir oder bei anderen,
laß einfach die Energie frei fließen -
und Du wirst bemerken, daß sich in diesem Raum
ein göttliches Kraftfeld aufbaut und dieses göttliche Kraftfeld ist fähig,
absolute Wunder zu vollbringen.
Auch Menschen, die
einfach nur in diesem Raum
sitzen oder liegen,
spüren dieses Kraftfeld,
spüren eine innerliche Bewegung, Veränderung,
spüren Erleichterung.

Gib Dich in die Hand der Liebe,
gib Dich in die Hand der frei fließenden Energie -
und wenn Du es so nennen magst:
Gib Dich in die Hand Gottes.
Gib auf!
Überlaß es der höheren Kraft!
So wie Du Dich auch einem Arzt überlassen würdest.
Vor einer Operation ... was kannst Du tun?
Du mußt Dich hingeben.
Du hast keine andere Chance,
Du vertraust auf die Macht und auf das Können des Arztes.
Wieviel leichter ist es,
auf das Können und auf die Macht der göttlichen Energie zu vertrauen?
Laß der göttlichen Kraft eine Chance!
 

Du wirst bemerken, daß Dein Körper sich in einer solchen Gruppe,
während eines solchen »Happenings« verändert,
daß irgend etwas in Deinem Körper geschieht,
und Du weißt nicht, was es ist,
und Du brauchst es auch nicht zu wissen.
Irgend etwas geschieht.

Nach einer solchen Zusammenkunft
wirst Du es in den Augen der Menschen sehen,
daß auch mit ihnen etwas geschehen ist,
daß sich der Bewußtseinszustand der anderen verändert hat.
Nach diesem Zusammensein,
werden zwischen den Menschen Dinge geschehen,
die vorher nicht möglich schienen.
Du wirst auf Menschen zugehen, sie vielleicht umarmen,
vielleicht in ihre Augen schauen
und Du wirst dieses uralte Gefühl wiederentdecken,
daß Du nicht Geist bist und nicht Materie,
daß Du nicht Wissen bist und nicht Biologie,
nicht Chemie und nicht Physik,
sondern Liebe.

Du wirst die Erfahrung machen,
daß Du nicht getrennt bist,
von niemandem und nichts auf dieser Welt.

Du wirst in den allmächtigen,
allumfasssenden Schoß der Liebe zurückkehren,
und dies kann bereits geschehen,
während Du noch in diesem Körper weilst.

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